Beiträge Übersetzte Geschichte

Arkadij A. German: Istoričeskij put’ poslevoennogo nacional’nogo dviženija rossijskich nemcev: obščij analiz

[Der historische Weg der nationalen Bewegung der Russlanddeutschen seit dem Krieg: Allgemeine Analyse], in: Rossijskie nemcy: 50 let poslevoennomu obščestvennomu dviženiju. Ot pervych delegacij v pravitel’stvo čerez „Vozroždenie“ k sovremennoj sisteme Samoorganizacii (1964–2014 gg.) [Die Russlanddeutschen: 50 Jahre Gesellschaftliche Bewegung in der Nachkriegszeit. Von den ersten Delegationen zur Regierung über die „Wiedergeburt“ zum heutigen System der Selbstorganisation (1964–2014)], Moskau 2015, S. 17-38.

Arkadij German leitet seine Arbeit mit einer allgemeinen Darstellung der Geschichte der Russlanddeutschen in den Nachkriegsjahren ein, wobei er auf die kolossalen Veränderungen verweist, denen die unterschiedlichen regionalen, konfessionellen und sozialen Gruppen der Russlanddeutschen ausgesetzt waren. Einerseits rissen die Machthaber durch ihr Tun die Barrieren ein, die zuvor zwischen den Russlanddeutschen bestanden hatten, und provozierten dadurch überhaupt erst die Ausformung einer gemeinsamen ethnischen Identität. Gerade nach dem Krieg begannen die Russlanddeutschen, die alle unter der staatlichen Diskriminierung litten, sich als ein einheitliches Volk wahrzunehmen. Andererseits verstärkten sich die Assimilationsprozesse angesichts der neuen Siedlungsmöglichkeiten. In vielerlei Hinsicht begünstigten auch die ethnisch gemischten Ehen der deutschen „Arbeitsarmisten“ diesen Prozess.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Arkadij A. German sowie bei dem Verlag Gotika, Moskau.

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Māra Grudule: Vācbaltieši Latvijas un latviešu kultūras vēsturē

[Die Deutschbalten in der Kulturgeschichte Lettlands und der Letten], in: Jānis Stradiņš (Hrsg.): Latvieši un Latvija. Akademiski raksti, IV. sēj.: Latvijas kultūra, izglītiba, zinātne [Letten und Lettland. Akademische Beiträge, Bd. 4: Kultur, Bildung und Wissenschaft Lettlands], Rīga 2013.

Seit dem Entstehen einer nationalen lettischen Historiografie ab etwa 1880 wird die Rolle der Deutschbalten in der Geschichte Lettlands und dessen historischen Vorläufer (Alt-Livland bis 1561, Livland und Kurland bis 1918) kontrovers diskutiert. Die Diskurse waren dabei stets eine Funktion der jeweiligen politischen Machtverhältnisse: die Stilisierung der Deutschbalten als „Fremdlinge“ diente in den 1920er und 1930er Jahren jungen lettischen Historikern zur Entwicklung einer lettischen Volksgeschichte und Verdrängung deutschbaltischer Kollegen aus dem historischen Feld des Landes. Während der Jahrzehnte der Sowjetherrschaft (1941/44‒1991) mussten die Deutschen für ein Feindbild herhalten, das von Bischof Albert bis zur SS reichte und die Sowjetherrschaft und brüderliche Verbundenheit mit der russischen Nation betonen half. Erst die Wende 1989/91, die erneute Unabhängigkeit, die Aufarbeitung der sowjetischen Geschichte sowie die politische und kulturelle Rückkehr nach Westen ermöglichen ein differenzierteres Bild von der deutschbaltischen Geschichte in Lettland. Im Rahmen einer sich gegenüber der neueren Kulturgeschichte öffnenden Geschichtsschreibung versucht man, diese Geschichte entspannter zu sehen und sie behutsam in die sich langsam modernisierende kulturelle Identität des Landes zu integrieren. Der hier wiedergegebene Text der lettischen Literaturwissenschaftlerin Māra Grudule aus dem Jahr 2013 repräsentiert diese Bemühungen.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Detlef Henning


Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei der Verfasserin Māra Grudule sowie bei dem Verlag der Akademie der Wissenschaften Lettlands in Riga.

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Jenseits von Ost und West - zur Aktualität des methodischen Ansatzes von Witold Kula

Text 1: Witold Kula: Uwagi o przewrocie przemysłowym w krajach Europy Wschodniej
[Anmerkungen zur industriellen Revolution in den Ländern Osteuropas], in: Ders.: Historia, zacofanie rozwój [Geschichte-Rückständigkeit-Entwicklung], Warszawa 1983, in Auszügen, hier S. 64-75.

Text 2: Witold Kula: Historia wobec wielości cywilizacyjnej
[Die Geschichte angesichts der zivilisatorischen Vielfalt], in: Ders.: Problemy i metody historii gospodarczej [Probleme und Methoden der Wirtschaftsgeschichte], Warszawa 21983, S. 685-696.

Die seit Jahrhunderten praktizierte Vorherrschaft des westeuropäischen Diskurses in der Interpretation der gesamteuropäischen Geschichte ist eine Tatsache, die den Zusammenbruch des Ostblocks unerschüttert überlebt hat. Modernität wird dabei vorwiegend als Produkt der Diffusion westlicher Ideen und Institutionen begriffen und dargestellt. Dieses essentialistische Denkmodell prägt bis heute die Wahrnehmung Osteuropas in Deutschland. Zum 100. Geburtstag des polnischen Wirtschaftshistorikers Wiltold Kula soll an sein historisches Konzept erinnert werden, das gerade jenen singulär begriffenen Modernisierungsprozess kritisiert und den dezentralen Charakter der europäischen Verflechtungen hervorhebt.

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 Einleitende Bemerkungen von Agnieszka Pufelska

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung der Beiträge bei Marcin Kula, Warschau.

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Lech M. Nijakowski: Rozkosz zemsty. Socjologia historyczna mobilizacji ludobójczej

[Die Lust an der Rache. Eine historische Soziologie der Mobilisierung zum Völkermord], Warschau: Wydawnictwo Naukowe Scholar 2013, S. 335-362 (in Auszügen).

Lech M. Nijakowski ist ein bekannter polnischer Soziologe, der mit historischen und kulturwissenschaftlichen Methoden arbeitet und sich mit verschiedenen Formen der Erinnerungskultur und Geschichtspolitik befasst. Im ersten Teil seines Buches entwickelt er eine theoretisch untermauerte vergleichende Analyse der Begriffe Massaker, Ethnische Säuberung und Völkermord in der historischen Literatur. Im zweiten Teil geht es um die „Rache an den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive von Studien über den Völkermord“. Aus diesem Teil stammt auch der für das Übersetzungsportal ausgewählte Auszug. Darin widmet sich Nijakowski der Frage, warum es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zu einem Genozid an der deutschen Bevölkerung, wohl aber zu spezifischen Racheaktionen kam. Gestützt auf Zeugenaussagen entwickelt der Autor seine Interpretation, die zu manchen Kontroversen in Polen Anlass gab.

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Zum übersetzten Autorentext     Einleitende Bemerkungen von Katrin Steffen

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Lech M. Nijakowski sowie bei dem Verlag Wydawnictwo Naukowe Scholar, Warschau.

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Marten Seppel: Vägivalla piirid pürisorjuslikes suhetes Eesti- ja Liivimaal 17. sajandil

[Die Grenzen der Gewalt in den leibeigenschaftlichen Beziehungen in Estland und Livland im 17. Jahrhundert], in: Tuna (2012), H. 3, S. 19-31. 

Der estnische Historiker Marten Seppel wirft in seinem Aufsatz die bis heute umstrittene Frage auf, in welchem Ausmaß die deutschbaltischen Gutsbesitzer bei ihrer Machtausübung physische Gewalt ausübten. Bislang fußen die Darstellungen in der Literatur häufig auf extremen Einzelbeispielen. Seppel versucht dagegen, auf Grundlage von Prozessakten und bäuerlichen Beschwerdebriefen den tatsächlichen rechtlichen und alltagsweltlichen Rahmen von Gewalt in Est- und Livland im 17. Jahrhundert herauszuarbeiten. Der Autor bietet damit eine neue Perspektive auf ein seit langem kontrovers diskutiertes Thema.

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Zum übersetzten Autorentext     Einleitende Bemerkungen von David Feest

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Marten Seppel sowie bei den Herausgebern und der Redaktion der Zeitschrift Tuna, Ajalookultuuri Ajakiri, Tallinn.

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Andrej Savin: Etnizacija stalinizma? „Nacional’nye“ i „kulackaja“ operacii NKVD: sravnitel’nyj aspekt

[Ethnisierung des Stalinismus? Die „nationalen“ und „Kulaken“-Operationen des NKVD: Ein Vergleich], in: Rossija XXI vek (Moskau) (2012), Nr. 3, S. 40-61.

In den letzten Jahren genoss die These der Ethnisierung des Stalinismus eine immer größere Verbreitung in der Historiografie. Ihre Anhänger sind der Auffassung, dass die Bolschewiki die Vertreter der fremden „Ausbeuterklassen“ als Hauptfeinde angesehen hätten, in den 1930er und besonders den 1940er Jahren dagegen seien es die nationalen Minderheiten und „feindlichen“ ethnischen Gruppen gewesen, die zur Zielscheibe des Stalinschen Terrors geworden seien. Anhand seiner Forschung beweist der russische Historiker Andrej Savin, dass das bestimmende Moment für das Schicksal der Opfer der „nationalen“ Operationen nicht das so genannte objektive Merkmal ihrer Zugehörigkeit zu einer „feindlichen“ nationalen Minderheit war, sondern ihr antisowjetisches Verhalten in der Vergangenheit und der Gegenwart.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Andrej Savin sowie bei den Herausgebern der Redaktion der Zeitschrift Rossija, Moskau.

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Irena Šutinienė: Miesto praeities žemėlapiai: Klaipėdos praeities vaizdiniai miesto gyventojų komunikacinėje atmintyje ir miesto identitetas

[Landkarten der Vergangenheit einer Stadt: Bilder der Vergangenheit von Klaipėda im kommunikativen Gedächtnis seiner Einwohner und die Identität der Stadt], in: Alvydas Nikžentaitis (Sud.): Atminties daugiasluoksniškumas. Miestas – Valstybė – Regionas [Die Vielschichtigkeit der Erinnerung. Stadt – Staat – Region], Vilnius: Lietuvos istorijos instituto leidykla 2013, S. 459-482.

Die litauische Soziologin Irena Šutinienė untersucht in ihrem Beitrag den Umgang der Einwohner von Klaipėda/Memel mit der Vergangenheit ihrer Stadt. Gestützt auf ausführlich vorgestellte Umfrageergebnisse zeigt die Autorin, dass den Bewohnern die wechselhafte politisch-historische Geschichte der Stadt nicht nur bewusst ist, sondern dass diese auch einen nicht unbedeutenden Anteil am heutigen Selbstverständnis der Menschen in Klaipėda besitzt. Der Aufsatz eröffnet interessante Perspektiven auf einen deutsch-litauisch-russischen Erinnerungsort.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Joachim Tauber

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei der Verfasserin Irena Šutinienė, dem Herausgeber Alvydas Nikžentaitis sowie bei der Lietuvos istorijos instituto leidykla [Verlag des Instituts für Geschichte Litauens], Vilnius.

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Die Umsiedlung der Deutschbalten aus Estland und Lettland 1939‒1941 in der lettischen Geschichtswissenschaft und historischen Publizistik

Text 1: Inesis Feldmanis: Vācbaltiešu izceļošana no Latvijas (1939–1941)
[Die Ausreise der Deutschbalten aus Lettland (1939–1941)], Rīga: LU Akadēmiskais apgads 2012 (Latvijas vēstures mazā bibliotēka [Lettlands Kleine Geschichtsbibiothek]), in Auszügen, hier: S. 4-8, 34-39 und 46-54.

Text 2: Jānis Urbanovičs, Igors Jurgens, Juris Paiders: 1939. gads. Baltvāciešu repatriācija [Das Jahr 1939. Die Repatriierung der Baltendeutschen], in: Dies.: Nākotnes melnraksti. Latvija 1939–1941 [Zukunftsentwürfe. Lettland 1939–1941], Rīga: Baltijas Forums (2011), in Auszügen, hier S. 183-190.

Text 3: Silvija Ģibiete, Lāsma Ģibiete: Uz mūžu zaudētā dzimtene. Vācbaltiešu piespiedu izceļošana no Latvijas 1939‒1941 [Die auf ewig verlorene Heimat. Die Zwangsumsiedlung der Deutschbalten aus Lettland 1939‒1941], in: Latvietis, Nr. 177 v. 7. Dezember 2011.

Auch mehr als 70 Jahre nach den Ereignissen des Herbst und Winter 1939/40 ist die Diskussion unter Letten über die historische Einordnung, die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Umsiedlung der Deutschbalten aus Lettland (und Estland) umstritten. Diskutiert werden vor allem das deutsch-lettische Verhältnis, das den Geschehnissen voraus ging, der Anteil der lettischen Politik an dem ersten großen Bevölkerungsverlust zu Beginn des Zweiten Weltkrieges und die Verknüpfung der Umsiedlung mit den folgenden Entwicklungen unter sowjetischer und deutscher Besatzung. Auch die Frage des Stellenwerts des deutschbaltischen kulturellen Erbes wird angesprochen. An dieser Stelle werden drei jüngere lettische Texte aus Geschichtswissenschaft, öffentlicher Geschichtsdiskussion und Exilpublizistik vorgestellt, in denen die Umsiedlung der Deutschbalten aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet und in gewisser Weise die öffentliche Erinnerung zum Thema repräsentieren.

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Zum übersetzten Autorentext 3        Einleitende Bemerkungen von Detlef Henning

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigungen der Beiträge bei den Verfassern Inesis Feldmanis, Jānis Urbanovičs, Igors Jurgens, Juris Paiders, Silvija und Lāsma Ģibiete, bei dem Verlag LU Akadēmiskais apgads und dem Herausgeber Baltijas Forums in Rīga sowie bei der Zeitschrift Latvietis in South Yarra, Australien.

Letzte Aktualisierung: 14.08.2017