
Das diesjährige Klaus Zernack Colloquium des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Berlin) (CBH PAN) beleuchtet unter dem Titel „Aus Ruinen – Krieg, (Wieder)Aufbau und Transformation“ ein hochaktuelles Thema. Am 27. Mai 2025 standen hierbei zwei Städte im Mittelpunkt, die - obwohl fast 1000 km voneinander entfernt - auf mehreren historischen Ebenen eine gemeinsame Geschichte verbindet: Strasbourg und Poznań. Ausgangspunkt waren drei Publikationen: der Band „Poznań – Strasbourg. Powinowactwa w czasie i przestrzeni / Cross-relations in Space and Time“ (2022), ein Themenheft der „Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande“ (2024), das sich mit der stadtplanerischen Entwicklung beider urbanen Knotenpunkte auf dem Weg vom Deutschen Reich zur Europäischen Union beschäftigt, und schließlich der Ausstellungsband „Allmachtsphantasien / Iluzje wszechwładzy. Architektur und Alltag unter deutscher Besatzung / Architektura i codzienność pod okupacją niemiecką“ (2025). In der Diskussion stellten sich Alexandre Kostka, Aleksandra Paradowska, Małgorzata Praczyk und Volker Ziegler die Frage, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der preußischen und deutschen Architektur der beiden Städte, die sich einst jeweils am Rande des Preußischen respektive Deutschen Reiches befanden, erkennbar sind und welche Rolle diese europäische Dimension der deutsch-preußischen Vergangenheit in der heutigen Erinnerungskultur der beiden Städte spielt. Agnieszka Pufelska war eingeladen, die Diskussion zu kommentieren. In ihren Bemerkungen verweist sie auf das Potential der Forschungsansätze, die mit diesen Publikationen zur Diskussion gestellt wurden. Sie ermöglichten in ihrer methodischen Vielfalt und gewissermaßen vom Rande her die Geschichte Preußens, des nationalsozialistischen Deutschlands wie auch die Prozesse der Aneignung dieser Geschichte nach 1945 zu differenzieren. Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist auf dem Youtubekanal des Zentrums für Historische Forschung zugänglich.