Band XXVI: 2017

Verräter und Überzeugungstäter /
Traitors and True Believers

Die Konzepte des „Überzeugungstäters“ und des „Verräters“ sind enger miteinander verbunden, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Beide drehen sich um das Phänomen der Loyalität. Überzeugungstätern und -täterinnen wird vorgehalten, einer menschenfeindlichen Ideologie oder einem verbrecherischen Regime mit unkritischer oder gar fanatischer Loyalität gedient zu haben. Menschen, die Verrat begehen, wird im Gegenteil ein Mangel an Treue zum Vorwurf gemacht. Wo die einen übertriebene Loyalität zeigten, mangele es den anderen dort an ihr, wo sie angebracht gewesen wäre. Und dort, wo ungeteilte Treue und blinder Glaube eingefordert wird, ist auch die Suche nach Saboteuren und Verrätern die Regel. Dabei hängt die Einstufung der Handlungen von den jeweils geltenden Bewertungskriterien ab.

Die Verhältnisse in Zentral- und Südosteuropa im 20. Jahrhundert begünstigten solche polarisierende Bewertungen. Durch den schnellen sozialen und politischen Wandel wurde die Frage der Loyalität immer neu gestellt, und auch innerhalb ein- und desselben Landes herrschten im Verlauf von wenigen Jahrzehnten unterschiedliche  Loyalitätsregime. Die Beiträge in diesem Sammelband nähern sich diesem Wandel mit den Interpretationsfiguren des Überzeugungstäters und des Verräters an. Auf der einen Seite werden im Sinne der Täter- und Täterinnenforschung die Bedingungen untersucht, unter denen Gewalttaten ihre Rechtfertigung in Weltanschauungen fanden. Auf der anderen Seite setzen sie sich mit der Art und Weise auseinander, wie bestimmte Menschen oder Kollektive Verrat verübten und/oder zu Verrätern und Verräterinnen stilisiert wurden.

Der Band entstand aus einer Kooperation zwischen dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. (IKGN) an der Universität Hamburg. Er repräsentiert die thematische und räumliche Breite der Arbeit dieser beiden Einrichtungen.

Verantwortlich: David Feest, Florian Kührer-Wielach

Erscheinungstermin: 2019

 

Gedruckte Ausgabe
Gewicht: 0.418 Kg
€ 17,50 zzgl. Versandkosten
Bestellnr.: D262017
PDF-Ausgabe € 17,50
Bestellnr.: P262017
Inhaltsverzeichnis und Titelei  
Editorial: David Feest, Florian Kührer-Wielach  
Abhandlungen    
Georg Herbstritt (Berlin): Inoffizielle Mitarbeiter von Stasi und Securitate in der Bundesrepublik: Überzeugungstäter?
Seite 13
Bestellnr.: A262017-01
Preis: 2,00 €
Robert Pech (Leipzig): Zwischen Nähe und Distanz: Fritz Valjavec und die Südost-Forschung im Nationalsozialismus
Seite 30
Bestellnr.: A262017-02
Preis: 2,00 €
Michael Portmann (Wien): Unterschiedliche Ideologien – ähnliche Motive? Jugoslawien zwischen Nationalsozialismus, Faschismus und Stalinismus (1941 bis 1946) – unter besonderer Berücksichtigung der „volksdeutschen“ Bevölkerung
Seite 57
Bestellnr.: A262017-03
Preis: 2,00 €
Agnieszka Pufelska (Lüneburg): Jude – Verräter – Kommunist. Zur Genealogie eines Topos in Polen
Seite 72
Bestellnr.: A262017-04
Preis: 2,00 €
Johannes Thaler (Wien): Litauens „Eiserner Wolf“ als faschistischer Wehrverband
Seite 88
Bestellnr.: A262017-05
Preis: 2,00 €
Claudia Weber (Frankfurt a.d. Oder): „Allgemeines Gelächter auf beiden Seiten.“
Die deutsch-sowjetische Umsiedlungsaktion 1939/40
Seite 112
Bestellnr.: A262017-06
Preis: 2,00 €
Triin Tark, Olev Liivik (Tartu): Nationalismus und die „Wacholderdeutschen“: Das Thema des Verrats an der Nation in der estnischen Presse der Zwischenkriegszeit
Seite 126
Bestellnr.: A262017-07
Preis: 2,00 €
David Feest (Lüneburg): Karl Säre – Leben und Nachleben eines Verräters
Seite 152
Bestellnr.: A262017-08
Preis: 2,00 €
     
Rezensionen
Seite 173-209
 
Die Autoren der Abhandlungen
Seite 211
 
 

 

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