DFG-Projekt: Juden und Deutsche im polnischen kollektiven Gedächtnis

DFG / NCN Projekt

DFG-Projektmitarbeiterin Dr. Imke Hansen

 

Beginnend mit dem Jahr 2016 wird am Nordost-Institut unter der Leitung von Dr. Katrin Steffen und in Kooperation mit Soziolog/innen und Historiker/innen der Universität Wrocław das interdisziplinär angelegte Projekt „Juden und Deutsche im polnischen kollektiven Gedächtnis" zwei Fallstudien zu Erinnerungsprozessen in lokalen Gemeinschaften nach dem Zweiten Weltkrieg“ durchgeführt. Das Projekt wurde im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem Polnischen Wissenschaftszentrum in Krakau (NCN) aufgelegten Programms „Beethoven“ für drei Jahre bewilligt.

Schaufenster Radciborz

 Ansicht aus Raciborz ©Imke Hansen
   Ansicht aus Raciborz
   ©Imke Hansen

 

 

Ziel des Projektes ist es, der lokalen Erinnerung an die jüdische und die deutsche Bevölkerung in den schlesischen Städten Dzierżonów (ehemals Reichenbach) und Raciborz (ehemals Ratibor) nach 1945 nachzugehen und die Erinnerungsforschung um sozialhistorische und soziologische Fragestellungen zu bereichern.

 

Projektaktivitäten

 

Imke Hansen befindet sich im April 2018 auf Forschungsreise in Oberschlesien.

 

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Das Bild zeigt farbige Ostereier mit oberschlesischen Motiven.
   Oberschlesische Ostereier 

Fortbildung: Oral History als Arbeitsmethode

Vom 28. bis zum 30.05.2017 leitete Dr. Imke Hansen eine vom Auswärtigen Amt finanzierte Fortbildung zu

Oral History als Arbeitsmethode bei der Dokumentation von bewaffneten Konflikten und Menschenrechtsverstößen im Kontext von Konflikten in Kyiv/Ukraine.

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Präsentation: Storytelling als Methode zum Schreiben von Gewaltgeschichte

Am 13.05.2017 präsentierte Dr. Imke Hansen auf einem vom Auswärtigen Amt finanzierten Workshop in Berlin, Möglichkeiten Storytelling als Methode zum Schreiben von Gewaltgeschichte zu benutzen.

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Vortrag:  „Wild West” and “Polish Katanga”

Am 27.4.2017 hielt Dr. Imke Hansen an der Schlesischen Universität Sosnowiec einen Vortrag über koloniale Selbst- und Fremdbilder in Oberschlesien mit dem Titel „Wild West” and “Polish Katanga”. Construction of otherness in Upper Silesian Life Trajectories and Storytelling“. Dies war ein Beitrag zur dreitägigen kanadisch-schlesischen Konferenz „Storytelling and Theatre/ Performance. Indigenous and Upper Silesian Perspectives“, welche die Schlesische Universität Sosnowiec in Kooperation mit der University of the Fraser Valley organisierte.

 

Lesen Sie mehr zur Fragestellung des Projektes (Deutsch/Englisch)

English Version below

Dieses Projekt untersucht, wie die Erinnerung an Juden und  Deutsche in den beiden Kleinstädten im heutigen Polen konstruiert wird Die Bedeutung dieser Thematik kann kaum überschätzt werden: Juden und Deutsche spielten eine zentrale Rolle in der Geschichte Polens, in der Kultur und daher auch im kollektiven Gedächtnis. Beide Gruppen sind im heutigen Bewusstsein der polnischen Gesellschaft ebenso wie im akademischen Diskurs sehr präsent. Trotzdem ist die Frage, wie diese Erinnerung entstanden ist, wie sie sich verändert hat, wie sie heute konstruiert wird und welche Rolle soziale Prozesse dabei gespielt haben und spielen, noch immer offen. Das Hauptziel des Projektes besteht darin, das Verhältnis zwischen spezifischen sozialen Bedingungen und Formen kollektiver Erinnerung zu untersuchen. Wir wollen die Mechanismen offenlegen, die dazu führen, dass die Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis wach gehalten wird und die deren Form und Inhalt prägen. Damit trägt das Projekt zu einer methodischen Weiterentwicklung der Erinnerungsforschung bei. Wulf Kansteiner hat kritisch über die Erinnerungsforschung geschrieben: “The memory wave in the humanities has contributed to the impressive revival of cultural history, but the success of memory studies has not been accompanied by significant conceptual and methodological advances in the research of collective memory processes.” Mit diesem Projekt möchten wir diese Lücke füllen. Die Geschichte der Kleinstädte Dzierżoniów und Raciborz sowie ihre vergangene und heutige ethnische Struktur bilden ebenso den Hintergrund für die Erforschung von Erinnerungsprozessen wie die Transformation Polens seit 1989 und die europäische Integration des Landes. Dieser Hintergrund ermöglicht es, die Veränderungen im kollektiven Gedächtnis während der Transformation von einem kommunistischen zu einem postkommunistischen System zu erklären. Indem wir uns auf lokale Gemeinschaften konzentrieren, fragen wir auch danach, ob uns deren Geschichte neue Perspektiven und epistemologische Alternativen zu den dominierenden Vorstellungen oder Meisterzählungen in der Erinnerungsforschung und der Geschichtsschreibung Polens anbieten können. Denn die Perspektive des Lokalen überschreitet etablierte disziplinäre, kulturelle oder nationale Grenzen. Sie stellt auch festgefügte Kategorien und Konzepte infrage, mit denen die Geisteswissenschaften noch immer operieren. Daher ist es unser Ziel, neue Ergebnisse nicht für konkrete Prozesse der Konstruktion und Transformation von Erinnerung zu generieren.

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The project analyzes the process of constructing the memory of Jews and Germans in two specific towns in today´s Poland: Dzierżoniów and Raciborz. The significance of this topic can hardly be overestimated: Jews and Germans played a key role in Polish history, culture and consequently also in collective memory. Both groups are strongly present in the consciousness of Polish society and in popular as well as academic discourse. And yet, the question how this memory emerged, how it changed, how it is related to social processes and how it is constructed today, is still open. The main aim is to examine the relations between specific social conditions and forms of collective memories. We plan to investigate the mechanisms that allow the past to be present in collective memory and shape its form and content. By doing so, the project contributes to a further methodological development of memory research. Wulf Kansteiner wrote in his critique of memory studies: “The memory wave in the humanities has contributed to the impressive revival of cultural history, but the success of memory studies has not been accompanied by significant conceptual and methodological advances in the research of collective memory processes.” With this project we intend to fill this gap. The history of the two small towns Dzierżoniów and Raciborz and their former and current ethnic structure as well as the transformation and European integration of Poland since 1989 constitute the background against which collective memory will be researched. This makes it possible to explain shifts in collective memory during the transformation from a communist to a postcommunist system. By focusing on local communities we also ask the question, whether the history of local communities can offer new perspectives and epistemological alternatives to dominant imaginations or master-narratives in memory studies and the historiography of Poland, since the perspective of the local goes beyond established disciplinary, cultural or national boundaries. This perspective also challenges some static concepts and categories used in the humanities. Therefore, we expect new findings not only on the processes of construction and transformation of memory, but also on the concept itself.

12.11.2015
Letzte Aktualisierung: 09.04.2018

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