Forschung

Ordnungen – Aneignungen – Erfahrungen

Ein besonderes Kennzeichen Nordosteuropas ist die ethnische, soziale, wirtschaftliche, kulturelle, religiöse und staatliche Vielfalt des Raumes. Die Region wurde mitgeprägt durch die dort lebenden Deutschen und die teilweise historische Zugehörigkeit zum deutschen bzw. preußischen Staat. Zudem übte die deutsche Politik einen großen Einfluss auf die nordost- und ostmitteleuropäische Geschichte aus. Im Zentrum der Forschungen des Nordost-Instituts steht die Geschichte der dortigen deutschen Bevölkerung und ihrer Nachbarn, die als transnationale Verflechtungsgeschichte verstanden wird. Wechselseitige Kontakte, Transferprozesse oder kultureller Austausch zwischen den Bevölkerungs-gruppen prägten die Region ebenso wie Konflikte zwischen Mehrheiten und Minderheiten, die deutsche Besatzungspolitik im 20. Jahrhundert oder repressive Maßnahmen auf ethnischer Grundlage.

Das Institut hebt in seinen Forschungen und Aktivitäten, deren Schwerpunkte im 19. und 20. Jahrhundert liegen, zudem den europäischen Bezug dieser Regionen hervor. Aus drei Perspektiven werden der geographische Raum, seine mentalen Landkarten und Lebenswelten wissenschaftlich erschlossen. Ordnungen, Aneignungen und Erfahrungen umschreiben die Bezugsfelder der Arbeit des Institutes und geben einen inhaltlichen und theoretischen Orientierungsrahmen für die Generierung neuer Forschungsfelder und –aufgaben.

Die Perspektive der Ordnungen verweist darauf, dass das neuzeitliche Nordosteuropa als Raum von Diversität und Gegensätzen immer als ein Raum unterschiedlicher Ordnungsarrangements begriffen werden kann. Diese reichen von Rahmensystemen wie staatlichen Einrichtungen, Rechtsanordnungen oder internationalen Vereinbarungen bis zu weniger kodifizierten Ordnungen, wozu etwa diskursive Ordnungen, Wissensordnungen oder Geschlechterordnungen zählen. Aus historischer Sicht geht es stets um die Frage, wie Ordnungen entstehen, welche Beharrungskraft sie entwickeln und wie Wandel entsteht. Aneignungen politischer, kultureller und geographischer Räume waren in Nordosteuropa wiederum eine zentrale Strategie, um nationale Ideen, Ideologien und sich wandelnde kulturelle oder lokale Interessen zu artikulieren und durchzusetzen. Aneignung bezeichnet Anpassungs- und Transformationsprozesse, mit deren Hilfe Regionen in neue Zusammenhänge eingeordnet wurden. Die Perspektive der Erfahrungen rückt sodann die Lebens- und Erfahrungswelten breiter Bevölkerungsschichten in den Mittelpunkt, ohne ihren engen Zusammenhang mit gesellschaftlichen Ordnungssystemen auszublenden. Sie nimmt eine analytische Brückenfunktion zwischen Individuen und großen gesellschaftlichen Gruppen, zwischen Strukturen und einzelnen Ereignissen ein. Die Begriffe Ordnungen, Aneignungen und Erfahrungen bilden somit einen Rahmen für die Forschungen des Instituts, mit denen sich sowohl politische als auch soziale, kulturelle und alltagsgeschichtliche Prozesse verdeutlichen und erforschen lassen.

Ausführliche Beschreibung des Forschungskonzepts.

Letzte Aktualisierung: 20.06.2017

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