Monika Hunnius als Grenzgängerin

Monika Hunnius als Grenzgängerin

Teilprojekt Anja Wilhelmi

des gemeinsamen Forschungsprojekts "Individuum und Gesellschaft in Ost- und Nordosteuropa" (2011-2016)


Monika Hunnius, eine 1858 in Riga geborene deutsche Pastorentochter, strebt bereits in jungen Jahren den Beruf einer Künstlerin an. Als Sängerin und später als Schriftstellerin gelingt es ihr, ihre persönliche Lebensperspektive trotz zahlreicher Widerstände zu verwirklichen. Bis zu ihrem Tod sieht sich Hunnius äußeren Anfeindungen v.a. in ihrem Rigaer Wirkungskreis ausgesetzt, die auf differierende Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen zurück zu führen sind: So wird mit Argwohn ihre Karriere als Sängerin betrachtet und z.T. boykottiert, da Hunnius mit dieser Berufsausübung einen Lebensweg beschreitet, der fern der Ehe auf eine wenig tolerierte Form der Erwerbsarbeit für Frauen abzielt. Zugleich missachtet Hunnius die Grenzen der gesellschaftlichen Anerkennung durch verschiedene Wohnverhältnisse, in denen sie mit Künstlerkollegen einen Hausstand teilt. Um den für sie spürbar einengenden Verhältnissen in der deutschen Bevölkerung Rigas auszuweichen, unternimmt Hunnius Reisen mit mehrmonatigen Auslandsaufenthalten. Sie versteht diese „Ausbrüche“ als Bildungsreisen. Auch ergreift sie diese Reisen als Möglichkeiten, soziale Netzwerke gleichdenkender Künstlern um sich herum zu schaffen bzw. zu festigen.

Die skizzierten gesellschaftlichen Widerstände werden als Grenzen im Lebenslauf von Hunnius erfahrbar. Soziale Herkunft, gesellschaftliche, politische, kulturelle, geschlechtliche Zugehörigkeit bis hin zu realen Staatsgrenzen werden als Markierungen dieser Grenzen sichtbar.

An der Biografie Monika Hunnius lässt sich veranschaulichen, dass die Realisierung des Lebenskonzepts als Künstlerin, Deutsche und Frau in der westlichen Peripherie des Russischen Reiches nur unter Umgehung dieser Grenzen möglich war. In dem Projekt wird diese „Lebensstrategie“ der Künstlerin Hunnius nachgezeichnet, ihr Umgang und ihre Erfahrungen mit Grenzen werden beleuchtet und ihre Grenzüberschreitungen untersucht.

 

Letzte Aktualisierung: 19.12.2014

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