Lettland im Stalinismus

Lettland im Stalinismus – Begegnungen hinter dem „Eisernen Vorhang“ (1945‒1956)

 

Teilprojekt: Detlef Henning

des gemeinsamen Forschungsprojekts "Begegnung nach Plan"

 

Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die erneute Okkupation und Annexion Lettlands durch die Sowjetunion 1944/1945 bedeuteten keineswegs das Ende der Kriegshandlungen in dem mittleren baltischen Staat. Die Kämpfe lettischer Partisanen gegen die Rote Armee und der Widerstand gegen die Stalinisierung des Landes dauerten bis zu Beginn der 1950 Jahre an. Stalin versuchte daher, die baltischen Sowjetrepubliken als neue Nordostgrenze der Sowjetunion nach außen hin abzuschirmen, denn er rechnete bis zur Einsatzfähigkeit der ersten sowjetischen Atombombe 1949 mit einem möglichen Rollback durch die Amerikaner und Westalliierten.

Die Sozialistische Sowjetrepublik Lettland (LSSR) durfte von ausländischen Touristen ‒ darunter auch lettische Flüchtlinge, die nun im westlichen Exil lebten ‒ erst nach Beginn der Entstalinisierung (1956) wieder bereist werden. Ausländer besuchten zunächst in geringer Zahl und unter strenger Kontrolle der sowjetischen Sicherheitsorgane fast ausschließlich die Hauptstadt Riga. Der Rest des Landes blieb Sperrgebiet. Tourismus in größerem Umfang wurde mit der westlichen Entspannungspolitik und nach Abschluss der Ostverträge (1971/1972) möglich. Alleinige Ansprechpartner waren die sowjetischen Reiseagenturen Intourist und für Jugendreisen Sputnik.

Eine genauere Einsicht in sowjetlettische Archivdokumente fördert jedoch den verblüffenden Befund zu Tage, dass ausländische Delegationen bereits Ende der 1940er Jahre Sowjetlettland besuchen konnten, darunter eine schwedische Marinedelegation mit drei Kriegsschiffen und 300 Mann Besatzung. Und dies, obwohl die militärische, ideologische und politische Absicherung der Pax sovietica in den baltischen Sowjetrepubliken noch keineswegs als abgeschlossen gelten konnte

Ziel des Teilprojektes ist, anhand bisher nicht ausgewerteter Akten, insbesondere von Dokumenten der Kommunistischen Partei Lettlands (LKP) und des Kommissariats (Ministeriums) des Inneren, diese akribisch vorbereiteten Einreisen von Ausländern in das stalinistische Sowjetlettland bis 1956 aufzuschlüsseln. Politische und ideologische Entscheidungsvorgänge und die Planung der Besuchsreisen durch das Zentralkomitee der LKP sollen rekonstruiert sowie der Ablauf, die anschließende Berichterstattung und Analyse durch die Parteiorgane geschildert werden. In einem zweiten Schritt kann dies mit Erfahrungsberichten und der Berichterstattung der ausländischen Delegationen nach Rückkehr in ihr Heimatland verglichen werden.

06.01.2021

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