Steffen + Feest_Das Individuum in der Gesellschaft

Das Individuum in der Gesellschaft.

Chancen eines biografischen Ansatzes

für die Erforschung Nordosteuropas im 20. Jahrhundert

 

von Katrin Steffen und David Feest

 

Biografien sind eine langlebige und beliebte Form der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Von antiken Sagen über Herrscherviten und religiös motivierte hagiografische Überlieferungen bis hin zu gegenwärtigen Biografen hat die Beschreibung der Lebenswege einzelner Menschen immer wieder dazu gedient, mythische oder reale Vergangenheit in einer zugänglichen, nachvollziehbaren Weise zu vergegenwärtigen. Auch die historische Wissenschaft hat diese Form genutzt, doch hat sie Schwierigkeiten mit dem Genre gehabt. Kritik an der mangelnden Repräsentativität, an der Glorifizierung der meist männlichen Helden oder der Überschätzung der Rolle des Einzelnen wurde immer wieder laut. Besonders während der nicht allzu lang zurückliegenden Hochzeit der Sozialgeschichte in den 1960er und 1970er Jahren galten Biografien als ein eher verstaubtes und methodisch konservatives Genre. Die Kritik an diesem Genre hat indessen dazu beigetragen, dass die Biografie seit den 1980er Jahren in der Geschichtswissenschaft rehabilitiert wurde. Heute haben wir es mit einer hohen und pluralistischen Vielfalt von Ansätzen in der Biografieforschung zu tun.[1] Biografische Erzählungen sind im Zuge dessen selbstreflexiver, kritischer, und in der Einsicht, stets subjektiv zu sein, auch wissenschaftlicher geworden.[2]

       Diese vielversprechende Ausgangslage hat uns dazu bewogen, am Nordost-Institut ein Forschungsprojekt zu initiieren, dessen Ziel es ist, in biografischen Studien Auskunft über Nordosteuropa zu geben. Die einzelnen Skizzen kommen aus unterschiedlichen Ländern, sie behandeln darüber hinaus Menschen unterschiedlicher Herkunft, Ausbildung, Religion und Ethnizität, und sie beschreiben Lebenswelten, die zum Teil diametral voneinander abweichen. Gleichzeitig lassen sich aber Anknüpfungspunkte zwischen den einzelnen Studien und ihren Protagonist/innen finden, die hier zueinander in Beziehung gesetzt werden. So können ...

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Empfohlene Zitierweise:

Joachim Tauber (Hrsg.): Individuum und Gesellschaft in Ost- und Nordosteuropa (Online-Publikationen des Nordost-Instituts/Forschungsbeiträge), Lüneburg 2017, URL: www.ikgn.de/online-publikationen/forschungsbeitraege/individuum-und-gesellschaft.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 

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