Beiträge Übersetzte Geschichte

 

Das Foto zeigt eine Gruppe von Mennoniten aus Warendorf (Deutschland) vor einem Denkmal für die Opfer der Machnos-Pogrome in Novo-Petrovka (Eichenfeld), Ukraine. Das Foto stammt von Jakob Stobbe, 2005.Aleksandr I. Beznosov: Nikolajpol’skie mennonitskie poselenija v gody graždanskoj vojny (1918–1920)

[Die Nikolaipoler Mennonitensiedlungen in den Jahren des Bürgerkriegs (1918–1920)], in: Svetlana I. Bobyleva (Hrsg.): Voprosy germanskoj istorii. Sbornik naučnych trudov [Fragen zur deutschen Geschichte. Sammelband wissenschaftlicher Werke], Dnepropetrovsk 2002, S. 98-111.

Im vorliegenden Aufsatz unternimmt Aleksandr Beznosov den Versuch, das Schicksal der in der Ukraine lebenden Mennoniten zur Zeit des Bürgerkriegs im Rahmen eines mikrohistorischen Ansatzes am Beispiel der in den Kolonien des Amtsbezirks Nikolaipol ansässigen Mennoniten zu untersuchen. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Autor der Frage der Aufstellung und Aktivität mennonitischer Selbstschutzeinheiten – ein bislang kaum erforschter Aspekt, dem die mennonitische Geschichtsschreibung angesichts des Widerspruchs zu den Grundprinzipien der mennonitischen Glaubenslehre nur wenig Aufmerksamkeit zukommen ließ. Beznosov zeigt, dass die Gründung des Selbstschutzes eine durch die Notlage erzwungene Maßnahme darstellte, der sich nur ein Teil der Mennoniten anschloss, nachdem alle Versuche, zwischen den einzelnen Konfliktparteien zu lavieren und Konflikte friedlich beizulegen, gescheitert waren.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

 

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Aleksandr I. Beznosov sowie bei dem Verlag „Dnepropetrovskij nacional’nyj universitet“, Dnepropetrovsk (Ukraine).

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Die Führung der Selbstverwaltung der Russlanddeutschen bei der Arbeit. Brainstorming. 2016 Bildquelle: Moskauer Deutsche Zeitung, mit freundlichen Genehmigung.

Arkadij A. German: Istoričeskij put’ poslevoennogo nacional’nogo dviženija rossijskich nemcev: obščij analiz

[Der historische Weg der nationalen Bewegung der Russlanddeutschen seit dem Krieg: Allgemeine Analyse], in: Rossijskie nemcy: 50 let poslevoennomu obščestvennomu dviženiju. Ot pervych delegacij v pravitel’stvo čerez „Vozroždenie“ k sovremennoj sisteme Samoorganizacii (1964–2014 gg.)
[Die Russlanddeutschen: 50 Jahre Gesellschaftliche Bewegung in der Nachkriegszeit. Von den ersten Delegationen zur Regierung über die „Wiedergeburt“ zum heutigen System der Selbstorganisation (1964–2014)], Moskau 2015, S. 17-38.

Arkadij German leitet seine Arbeit mit einer allgemeinen Darstellung der Geschichte der Russlanddeutschen in den Nachkriegsjahren ein, wobei er auf die kolossalen Veränderungen verweist, denen die unterschiedlichen regionalen, konfessionellen und sozialen Gruppen der Russlanddeutschen ausgesetzt waren. Einerseits rissen die Machthaber durch ihr Tun die Barrieren ein, die zuvor zwischen den Russlanddeutschen bestanden hatten, und provozierten dadurch überhaupt erst die Ausformung einer gemeinsamen ethnischen Identität. Gerade nach dem Krieg begannen die Russlanddeutschen, die alle unter der staatlichen Diskriminierung litten, sich als ein einheitliches Volk wahrzunehmen. Andererseits verstärkten sich die Assimilationsprozesse angesichts der neuen Siedlungsmöglichkeiten. In vielerlei Hinsicht begünstigten auch die ethnisch gemischten Ehen der deutschen „Arbeitsarmisten“ diesen Prozess.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

 

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Arkadij A. German sowie bei dem Verlag Gotika, Moskau.

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Ansichtskarte vom Schlossplatz in Riga um 1860.Māra Grudule: Vācbaltieši Latvijas un latviešu kultūras vēsturē

[Die Deutschbalten in der Kulturgeschichte Lettlands und der Letten], in: Jānis Stradiņš (Hrsg.): Latvieši un Latvija. Akademiski raksti, IV. sēj.: Latvijas kultūra, izglītiba, zinātne [Letten und Lettland. Akademische Beiträge, Bd. 4: Kultur, Bildung und Wissenschaft Lettlands],
Karte: Schlossplatz in Riga um 1860.         Rīga 2013.

Seit dem Entstehen einer nationalen lettischen Historiografie ab etwa 1880 wird die Rolle der Deutschbalten in der Geschichte Lettlands und dessen historischen Vorläufer (Alt-Livland bis 1561, Livland und Kurland bis 1918) kontrovers diskutiert. Die Diskurse waren dabei stets eine Funktion der jeweiligen politischen Machtverhältnisse: die Stilisierung der Deutschbalten als „Fremdlinge“ diente in den 1920er und 1930er Jahren jungen lettischen Historikern zur Entwicklung einer lettischen Volksgeschichte und Verdrängung deutschbaltischer Kollegen aus dem historischen Feld des Landes. Während der Jahrzehnte der Sowjetherrschaft (1941/44‒1991) mussten die Deutschen für ein Feindbild herhalten, das von Bischof Albert bis zur SS reichte und die Sowjetherrschaft und brüderliche Verbundenheit mit der russischen Nation betonen half. Erst die Wende 1989/91, die erneute Unabhängigkeit, die Aufarbeitung der sowjetischen Geschichte sowie die politische und kulturelle Rückkehr nach Westen ermöglichen ein differenzierteres Bild von der deutschbaltischen Geschichte in Lettland. Im Rahmen einer sich gegenüber der neueren Kulturgeschichte öffnenden Geschichtsschreibung versucht man, diese Geschichte entspannter zu sehen und sie behutsam in die sich langsam modernisierende kulturelle Identität des Landes zu integrieren. Der hier wiedergegebene Text der lettischen Literaturwissenschaftlerin Māra Grudule aus dem Jahr 2013 repräsentiert diese Bemühungen.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Detlef Henning


Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei der Verfasserin Māra Grudule sowie bei dem Verlag der Akademie der Wissenschaften Lettlands in Riga.

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Bei dem Bild handelt es sich um eine gemalte Kampszene mit Pferden und Soldaten um 1914.

Viktor M. Kirillov: Sovremennaja otečestvennaja istoriografija kampanii „bor’by s nemeckim zasil’em“ v gody Pervoj mirovoj vojny

[Die aktuelle russische Historiografie der Kampagne des „Kampfes gegen die deutsche Dominanz“ in den Jahren des Ersten Weltkriegs], in: Vestnik Permskogo universiteta. Serija: Istorija, Nr. 2 (29) (Juni), 2015, S. 88-97.

Unmittelbar nach Ausbruch der Kriegshandlungen gegen Deutschland stellten die russischen Behörden die auf ihrem Territorium lebende deutsche Bevölkerung unter besondere Kontrolle. Die antideutsche Kampagne beschränkte sich nicht nur auf politische Repressionen, sondern schloss auch Sprache und Religion betreffende Diskriminierungen, ein faktisches Verbot kulturell-aufklärerischer und ökonomischer Aktivitäten, Enteignungen nach nationalen Kriterien usw. ein. In seiner Analyse der in den Jahren des Ersten Weltkriegs in Russland entfesselten antideutschen Kampagne gewidmeten russischen bzw. russischsprachigen Historiografie zeichnet Viktor Kirillov die Hauptentwicklungsetappen der entsprechenden geschichtswissenschaftlichen Forschung sowie die von einzelnen Historikern vertretenen konzeptuellen Ansätze nach. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die geleistete Forschungsarbeit ungeachtet der dem Thema in den 1990er und 2000er Jahren entgegengebrachten gestiegenen Aufmerksamkeit auch weiterhin fragmentarisch bleibt. So weist die entsprechende Historiografie seines Erachtens noch immer eine ganze Reihe von Forschungslücken auf.


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Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Viktor Kirillov sowie bei den Herausgebern der Redaktion der Zeitschrift „Vestnik Permskogo universiteta“, Perm’ (Russland).

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Das Bild zeigt eine Briefmarke mit Witold Kula 1916-1988 Witold Kula, 1916-1988

Jenseits von Ost und West - zur Aktualität des methodischen Ansatzes von Witold Kula

 

Text 1: Witold Kula: Uwagi o przewrocie przemysłowym w krajach Europy Wschodniej

[Anmerkungen zur industriellen Revolution in den Ländern Osteuropas], in: Ders.: Historia, zacofanie rozwój [Geschichte-Rückständigkeit-Entwicklung], Warszawa 1983, in Auszügen, hier S. 64-75.

 

Text 2: Witold Kula: Historia wobec wielości cywilizacyjnej

[Die Geschichte angesichts der zivilisatorischen Vielfalt], in: Ders.: Problemy i metody historii gospodarczej [Probleme und Methoden der Wirtschaftsgeschichte], Warszawa 21983, S. 685-696.

Die seit Jahrhunderten praktizierte Vorherrschaft des westeuropäischen Diskurses in der Interpretation der gesamteuropäischen Geschichte ist eine Tatsache, die den Zusammenbruch des Ostblocks unerschüttert überlebt hat. Modernität wird dabei vorwiegend als Produkt der Diffusion westlicher Ideen und Institutionen begriffen und dargestellt. Dieses essentialistische Denkmodell prägt bis heute die Wahrnehmung Osteuropas in Deutschland. Zum 100. Geburtstag des polnischen Wirtschaftshistorikers Wiltold Kula soll an sein historisches Konzept erinnert werden, das gerade jenen singulär begriffenen Modernisierungsprozess kritisiert und den dezentralen Charakter der europäischen Verflechtungen hervorhebt.

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 Einleitende Bemerkungen von Agnieszka Pufelska

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung der Beiträge bei Marcin Kula, Warschau.

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Das Bild zeigt Bücher.

Lech M. Nijakowski: Rozkosz zemsty. Socjologia historyczna mobilizacji ludobójczej

[Die Lust an der Rache. Eine historische Soziologie der Mobilisierung zum Völkermord], Warschau: Wydawnictwo Naukowe Scholar 2013, S. 335-362 (in Auszügen).

 

Lech M. Nijakowski ist ein bekannter polnischer Soziologe, der mit historischen und kulturwissenschaftlichen Methoden arbeitet und sich mit verschiedenen Formen der Erinnerungskultur und Geschichtspolitik befasst. Im ersten Teil seines Buches entwickelt er eine theoretisch untermauerte vergleichende Analyse der Begriffe Massaker, Ethnische Säuberung und Völkermord in der historischen Literatur. Im zweiten Teil geht es um die „Rache an den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive von Studien über den Völkermord“. Aus diesem Teil stammt auch der für das Übersetzungsportal ausgewählte Auszug. Darin widmet sich Nijakowski der Frage, warum es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zu einem Genozid an der deutschen Bevölkerung, wohl aber zu spezifischen Racheaktionen kam. Gestützt auf Zeugenaussagen entwickelt der Autor seine Interpretation, die zu manchen Kontroversen in Polen Anlass gab.

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Zum übersetzten Autorentext     Einleitende Bemerkungen von Katrin Steffen

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Lech M. Nijakowski sowie bei dem Verlag Wydawnictwo Naukowe Scholar, Warschau.

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Bild: Plakat :  Lisickij, L.M.  Alles für die Front! Alles für den Sieg! 1941 (Nr. 84). Quelle und Abdruckgenehmigung: www.russianposter.ru. Bildnummer: 419-2. Das Plakat  zeigt einen männlichen Kopf, einen weiblichen Kopf, ein Flugzeug, im oberen Drittel und einen Panzer im unteren Teil des Bildes. Als Hintergrund ist eine Stadt zu sehen. Der obere und untere Bereich ist in roter Farbe, der übrige Bereich in schwarz/weiß gehalten.Sergej A. Papkov: Karatel’noe pravosudie na trudovom fronte v SSSR v 1941–1945 gg.

[Strafjustiz an der Arbeitsfront in der UdSSR in den Jahren 1941–1945], in: Voprosy istorii 12 (2011), S. 72-80.

 

Der Krieg, in den die Sowjetunion im Sommer 1941 gezogen wurde, brachte weitreichende Veränderungen der Arbeitsgesetzgebung mit sich und ließ Zwangsmaßnahmen zu einem der Hauptinstrumente der Mobilisierung der im Landesinneren tätigen Arbeiter werden. Um die Bevölkerung zur Erfüllung der erhöhten Arbeitsnormen zu zwingen, dehnte die Stalinsche Führung den Geltungsbereich des Strafrechts in immer größerem Maße auch auf die Produktion aus. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Stalinschen Arbeitsgesetze ganz dem Charakter des Staates entsprachen. Sie sollten die Mängel des sowjetischen Wirtschaftssystems kompensieren, das bereits in der Vorkriegszeit seine chronische Unfähigkeit demonstriert hatte, sich ohne Zwangsmaßnahmen zu entwickeln und an neue Bedingungen anzupassen.

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PDF-Button Zum übersetzten Autorentext         PDF-Button Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Sergej A. Papkov, Novosibirsk (Russland).

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Ethnisierung - „UdSSR – Sowjetische Weltrepublik“, Plakat von Rozalia Rabinovich, 1930er Jahre (Privatsammlung des Autors).Andrej Savin: Etnizacija stalinizma? „Nacional’nye“ i „kulackaja“ operacii NKVD: sravnitel’nyj aspekt

[Ethnisierung des Stalinismus? Die „nationalen“ und „Kulaken“-Operationen des NKVD: Ein Vergleich], in: Rossija XXI vek (Moskau) (2012), Nr. 3, S. 40-61.

 

In den letzten Jahren genoss die These der Ethnisierung des Stalinismus eine immer größere Verbreitung in der Historiografie. Ihre Anhänger sind der Auffassung, dass die Bolschewiki die Vertreter der fremden „Ausbeuterklassen“ als Hauptfeinde angesehen hätten, in den 1930er und besonders den 1940er Jahren dagegen seien es die nationalen Minderheiten und „feindlichen“ ethnischen Gruppen gewesen, die zur Zielscheibe des Stalinschen Terrors geworden seien. Anhand seiner Forschung beweist der russische Historiker Andrej Savin, dass das bestimmende Moment für das Schicksal der Opfer der „nationalen“ Operationen nicht das so genannte objektive Merkmal ihrer Zugehörigkeit zu einer „feindlichen“ nationalen Minderheit war, sondern ihr antisowjetisches Verhalten in der Vergangenheit und der Gegenwart.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Andrej Savin sowie bei den Herausgebern der Redaktion der Zeitschrift Rossija, Moskau.

Bild: Ethnisierung - „UdSSR – Sowjetische Weltrepublik“, Plakat von Rozalia Rabinovich, 1930er Jahre (Privatsammlung des Autors).

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Das Bild zeigt Bücher.Marten Seppel: Vägivalla piirid pürisorjuslikes suhetes Eesti- ja Liivimaal 17. sajandil

[Die Grenzen der Gewalt in den leibeigenschaftlichen Beziehungen in Estland und Livland im 17. Jahrhundert], in: Tuna (2012), H. 3, S. 19-31. 

 

Der estnische Historiker Marten Seppel wirft in seinem Aufsatz die bis heute umstrittene Frage auf, in welchem Ausmaß die deutschbaltischen Gutsbesitzer bei ihrer Machtausübung physische Gewalt ausübten. Bislang fußen die Darstellungen in der Literatur häufig auf extremen Einzelbeispielen. Seppel versucht dagegen, auf Grundlage von Prozessakten und bäuerlichen Beschwerdebriefen den tatsächlichen rechtlichen und alltagsweltlichen Rahmen von Gewalt in Est- und Livland im 17. Jahrhundert herauszuarbeiten. Der Autor bietet damit eine neue Perspektive auf ein seit langem kontrovers diskutiertes Thema.

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Zum übersetzten Autorentext     Einleitende Bemerkungen von David Feest

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Marten Seppel sowie bei den Herausgebern und der Redaktion der Zeitschrift Tuna, Ajalookultuuri Ajakiri, Tallinn.

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Marschierende Soldaten in LeningradAndrej K. Sorokin: „Trebuem nemedlennogo otveta…“. Oborona Leningrada v svete dokumentov partarchiva.

[„Wir fordern eine unverzügliche Antwort...“. Die Verteidigung Leningrads im Licht von Dokumenten aus dem Parteiarchiv], in: Zvezda (Sankt-Peterburg) (2014), Nr. 12, S. 176-192.

 

In dem vorgestellten Text werden vieldiskutierte Fragen der ersten Phase des Deutsch-Sowjetischen Kriegs aufgegriffen. Im Fokus stehen die Kämpfe um Leningrad 1941/42. Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors, Andrej Sorokin, ist die in den letzten Jahren sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der öffentlichen Auseinandersetzung stattfindende Mythologisierung und Heroisierung der Kriegsgeschehnisse. Dies wiederum habe – so Sorokin – zur Folge, dass Stereotypisierungen in immer größerem Maße das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis in den Hintergrund drängen.

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Zum übersetzten Autorentext    Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Andrej K. Sorokin.

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Aennchen von TharauIrena Šutinienė: Miesto praeities žemėlapiai: Klaipėdos praeities vaizdiniai miesto gyventojų komunikacinėje atmintyje ir miesto identitetas

[Landkarten der Vergangenheit einer Stadt: Bilder der Vergangenheit von Klaipėda im kommunikativen Gedächtnis seiner Einwohner und die Identität der Stadt], in: Alvydas Nikžentaitis (Sud.): Atminties daugiasluoksniškumas. Miestas – Valstybė – Regionas [Die Vielschichtigkeit der Erinnerung. Stadt – Staat – Region], Vilnius: Lietuvos istorijos instituto leidykla 2013, S. 459-482.

Die litauische Soziologin Irena Šutinienė untersucht in ihrem Beitrag den Umgang der Einwohner von Klaipėda/Memel mit der Vergangenheit ihrer Stadt. Gestützt auf ausführlich vorgestellte Umfrageergebnisse zeigt die Autorin, dass den Bewohnern die wechselhafte politisch-historische Geschichte der Stadt nicht nur bewusst ist, sondern dass diese auch einen nicht unbedeutenden Anteil am heutigen Selbstverständnis der Menschen in Klaipėda besitzt. Der Aufsatz eröffnet interessante Perspektiven auf einen deutsch-litauisch-russischen Erinnerungsort.

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Zum übersetzten Autorentext   Einleitende Bemerkungen von Joachim Tauber

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei der Verfasserin Irena Šutinienė, dem Herausgeber Alvydas Nikžentaitis sowie bei der Lietuvos istorijos instituto leidykla [Verlag des Instituts für Geschichte Litauens], Vilnius.

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Das Bild zeigt: „Polizist Brickij und eine Gruppe verhafteter Zigeuner vor der Erschießung“.  In: Staatliches Behördenarchiv des Sicherheitsdienstes der Ukraine, f. 5, spr. 68167, t. 1,  [Umschlag].Mikhail Tyaglyy: Stavlennja miscevoho naselennja v okupovanij Ukraïni do peresliduvannja romiv (1941–1944)

[Die Einstellung der einheimischen Bevölkerung in der besetzten Ukraine zur Verfolgung der Roma (1941–1944)], in: Mychajlo Tjahlyj (Hrsg.): Henocyd romiv Ukraïny v period Druhoï svitovoï vijny: vyvčennja, vykladannja, komemoracija [Der Genozid an den Roma in der deutsch besetzten Ukraine (1941–1944): Forschung, Vermittlung, Gedenken]. Materialy naukovo-praktyčnoï konferenciï m. Kyïv, 4 žovtnja 2016 r. [Materialien der wissenschaftlich-praktischen Konferenz, Kyïv, 4. Oktober 2016]. Kyïv 2016, S. 126-158.

Der Artikel ist einigen bislang wenig erforschten Aspekten der Romaverfolgung in der besetzten Ukraine in den Jahren 1941–1944 gewidmet. Den Ausgangspunkt bildet die Überlegung, dass die Besatzer weder im rumänisch noch im deutsch kontrollierten Teil der Ukraine über ausreichende eigene Ressourcen verfügt hätten, um ihre Politik gegenüber den Roma systematisch zu verfolgen. Da an der Durchführung dieser Politik zahlreiche Vertreter der Mehrheitsbevölkerung beteiligt waren, gewinnt die Erforschung der von der lokalen Bevölkerung bei der „Lösung der Zigeunerfrage“ eingenommenen Haltung stark an Bedeutung. Der Autor beleuchtet die den Roma entgegengebrachte Einstellung verschiedener Gruppen der einheimischen Bevölkerung und setzt sich exemplarisch mit den wichtigsten militärpolitischen Akteuren (wie kommunistische und nationalistische Partisanen) sowie mit der Rolle der Zivilverwaltung und der Hilfspolizei auseinander.

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PDF-Button Zum übersetzten Autorentext         PDF-Button Einleitende Bemerkungen von Dmytro Myeshkov

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung des Beitrages bei dem Verfasser Mikhail Tyaglyy sowie bei dem Ukrainischen Zentrum für die Erforschung der Geschichte des Holocaust [Ukraïns’kyj Centr vyvčennja istoriï Cholokostu] in Kyïv.

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Oswiecim: Das Foto stammt aus der Sammlung von Miroslaw Ganobis.

Umgang mit jüdischem und deutschem Eigentum und Kulturerbe im Nachkriegspolen

Die Verluste und Zerstörungen, Grenzverschiebungen und Vertreibungen von großen Bevölkerungsgruppen im und nach dem Zweiten Weltkrieg sind bis heute ein vielbeachtetes und immer wieder beschriebenes Thema. Weniger präsent war bis in die jüngste Zeit der Umgang mit dem hinterlassenen jüdischen und deutschen Eigentum und Kulturerbe in Polen. Das Modul will mit mehreren Texten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Polen bzw. im deutsch-polnisch-israelischen Wissenschaftsbetrieb entstanden sind, eine Annäherung an dieses Thema versuchen. Präsentiert werden Texte, die bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden sind bzw. nur an entlegenen Orten veröffentlicht wurden. Die Onlinepräsentation der Übersetzungen will dazu beitragen, dass diese Auseinandersetzungen mit den materiellen Folgeerscheinungen der Schoah und des Krieges in Polen auch im deutschsprachigen Raum bekannter werden und damit zu einem wissensbasierten sensibleren Umgang mit diesem Thema anregen.

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1.1

 

Kazimierz Wyka: Gospodarka wyłączona [Die abgekoppelte Wirtschaft ], in: Ders., Życie na niby [Leben als ob], Kraków: Universitas 2010, S. 274-311

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 Einleitende Bemerkungen von Matthias Barelkowski und Agnieszka Pufelska

2.1

Alina Skibińska: Problemy rewindykacji żydowskich nieruchomości w latach 1944-1950. Zagadnienia ogólne i szczegółowe [Das Problem der Rückübertragung von Immobilien jüdischer Besitzer in den Jahren 1944–1950. Ein Problemaufriss], in: Klucze i kasa. O mieniu żydowskim w Polsce pod okupacją niemiecką w we wczesnych latach powojennych 1939–1950 [Schlüssel und Kasse. Über jüdisches Eigentum in Polen während der deutschen Okkupation und in den ersten Nachkriegsjahren 1939–1950], Warszawa: Stowarzyszenie Centrum Badań nad Zagładą Żydów 2014, S. 493-573

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 Einleitende Bemerkungen von Matthias Barelkowski

3.1

Maria Rutkowska: Elementy polityki wobec niemieckiej spuścizny kulturowej na Ziemiach Zachodnich (1945-1950) [Zur Politik des Umgangs mit dem deutschen Kulturerbe in den Westgebieten Polens (1945–1950)], in: Wspólne dziedzictwo? Ze studiów nad stosunkiem do spuścizny kulturowej na Ziemiach Zachodnich i Północnych [Gemeinsames Erbe? Studien über die Beziehung zum Kulturerbe in den West- und Ostgebieten], Poznań: Instytut Zachodni 2000, S. 167-200

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 Einleitende Bemerkungen von Agnieszka Pufelska

4.1

Matthias Barelkowski u. Claudia Kraft: La pologne et les biens allemands et juifs après 1945 [Die Eigentumsfrage als juristisches und politisches Dauerproblem. Zum Umgang mit deutschem und jüdischem Eigentum in Polen nach 1945], in: Revue d’histoire moderne contemporaine 1 (2014), S. 62-96.

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 Einleitende Bemerkungen von Matthias Barelkowski

Wir bedanken uns für die freundlichen Abdruckgenehmigungen der Beiträge bei den Verfasserinnen und dem Verfasser Alina Skibińska, Maria Rutkowska, Claudia Kraft und Matthias Barelkowski, bei dem Verlag Universitas, bei den Herausgebern Stowarzyszenie Centrum Badań nad Zagładą Żydów und Instytut Zachodni sowie bei der Zeitschrift Revue d’histoire moderne contemporaine.

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Das Bild zeigt Bücher.Die Umsiedlung der Deutschbalten aus Estland und Lettland 1939‒1941 in der lettischen Geschichtswissenschaft und historischen Publizistik

 

Text 1: Inesis Feldmanis: Vācbaltiešu izceļošana no Latvijas (1939–1941)

[Die Ausreise der Deutschbalten aus Lettland (1939–1941)], Rīga: LU Akadēmiskais apgads 2012 (Latvijas vēstures mazā bibliotēka [Lettlands Kleine Geschichtsbibiothek]), in Auszügen, hier: S. 4-8, 34-39 und 46-54.

Text 2: Jānis Urbanovičs, Igors Jurgens, Juris Paiders: 1939. gads. Baltvāciešu repatriācija

[Das Jahr 1939. Die Repatriierung der Baltendeutschen], in: Dies.: Nākotnes melnraksti. Latvija 1939–1941 [Zukunftsentwürfe. Lettland 1939–1941], Rīga: Baltijas Forums (2011), in Auszügen, hier S. 183-190.

Text 3: Silvija Ģibiete, Lāsma Ģibiete: Uz mūžu zaudētā dzimtene. Vācbaltiešu piespiedu izceļošana no Latvijas 1939‒1941

[Die auf ewig verlorene Heimat. Die Zwangsumsiedlung der Deutschbalten aus Lettland 1939‒1941], in: Latvietis, Nr. 177 v. 7. Dezember 2011.

Auch mehr als 70 Jahre nach den Ereignissen des Herbst und Winter 1939/40 ist die Diskussion unter Letten über die historische Einordnung, die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Umsiedlung der Deutschbalten aus Lettland (und Estland) umstritten. Diskutiert werden vor allem das deutsch-lettische Verhältnis, das den Geschehnissen voraus ging, der Anteil der lettischen Politik an dem ersten großen Bevölkerungsverlust zu Beginn des Zweiten Weltkrieges und die Verknüpfung der Umsiedlung mit den folgenden Entwicklungen unter sowjetischer und deutscher Besatzung. Auch die Frage des Stellenwerts des deutschbaltischen kulturellen Erbes wird angesprochen. An dieser Stelle werden drei jüngere lettische Texte aus Geschichtswissenschaft, öffentlicher Geschichtsdiskussion und Exilpublizistik vorgestellt, in denen die Umsiedlung der Deutschbalten aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet und in gewisser Weise die öffentliche Erinnerung zum Thema repräsentieren.

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 Zum übersetzten Autorentext 1      Zum übersetzten Autorentext 2

Zum übersetzten Autorentext 3        Einleitende Bemerkungen von Detlef Henning

Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigungen der Beiträge bei den Verfassern Inesis Feldmanis, Jānis Urbanovičs, Igors Jurgens, Juris Paiders, Silvija und Lāsma Ģibiete, bei dem Verlag LU Akadēmiskais apgads und dem Herausgeber Baltijas Forums in Rīga sowie bei der Zeitschrift Latvietis in South Yarra, Australien.

 

Letzte Aktualisierung: 04.06.2021