16. Oktober 2014

Tagung: Zwischen den Welten: Schlaglichter der russlanddeutschen Geschichte im 20. Jahrhundert

Eine Tagung des Nordost-Instituts (IKGN e.V.) in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport (Projekt Museum Friedland)

Veranstaltungsort: Wirtschafts- und Sozialgebäude - Haus 4, 1. Stock, Raum 126 - Landesaufnahmebehörde Niedersachsen - Standort Grenzdurchgangslager Friedland (GDL) - Heimkehrerstr. 18 - 37133 Friedland

Veranstalter: Nordost-Institut (IKGN e. V.)

Hier gehts zum Programm und den Tagungsbericht als PDF.

Der Erste Weltkrieg, die darauf folgende Revolution in Russland und die Machtergreifung der Bolschewiki veränderten die Lage der deutschen Untertanen Russlands grundlegend.

Der Kern des Konflikts zwischen den zunehmend chauvinistisch agierenden Eliten des Reiches und der deutschen Bevölkerung bestand darin, dass Letztere sich auch noch zwei Jahrhunderte nach der Einwanderung nach Russland sprachlich, religiös und kulturell von der russischen Bevölkerung unterschied. Dies nährte insbesondere bei den Slawophilen den Verdacht der Illoyalität dem russischen Staat gegenüber und führte zur Deportation von rund 500.000 Deutschen unterschiedlicher sozialer Schichten aus den polnischen Gouvernements Russlands, von ca. 200.000 Deutschen aus Wolhynien und den Ostseeprovinzen nach Zentralrussland und Sibirien. Der Deportation gingen die Enteignung des mobilen und immobilen Besitzes und das Verbot der Nutzung der deutschen Sprache im öffentlichen und privaten Raum voraus.

Nach der Machtergreifung der Bolschewiki trat an die Stelle der Forderung nach einer vollständigen Assimilation ("Annahme der russischen Kultur") die Forderung nach einer bedingungslosen Unterwerfung unter die ideologisch begründete Zielprojektion einer "Sowjetisierung". Die markantesten Äußerungsformen dieser Politik waren: die gewaltsame Durchsetzung des Machtanspruchs ("Kriegskommunismus"), die rücksichtslose Enteignung der Bauern und die Kollektivierung der Landwirtschaft ab 1928, die massenhafte außergerichtliche Repression in den 1930er Jahren ("Der Große Terror") und die Deportation von Angehörigen sozialer Schichten und ethnischer Gruppen aus grenznahen Gebieten (Deutsche, Polen, Finnen, Koreaner u.a.).

Der Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges am 22. Juni 1941 hatte die Deportation aller im europäischen Teil der UdSSR wohnhaften Deutschen nach Sibirien, Kasachstan und Mittelasien zur Folge. Alle arbeitsfähigen deutschen Männer und Frauen wurden gezwungen, Zwangsarbeit in den Arbeitslagern des NKVD zu verrichten; dieses bis 1956 bestehende "Regime der Sondersiedlung" hatte genozidale Züge und warf die Deutschen in der Sowjetunion in ihrer Entwicklung von den vordersten Plätzen, die sie noch im Russischen Reich innegehabt hatten, auf  Werte weit unter dem Bevölkerungsdurchschnitt des Landes zurück. Fehlende Gleichberechtigung mit den anderen Ethnien der UdSSR, Beschränkungen im Zugang zur Bildung und in der sozialen und gesellschaftlichen Partizipation, fehlende Möglichkeiten der Pflege der Muttersprache und der Kultur führten im gesamten 20. Jahrhundert zu unterschiedlichen Formen des passiven und aktiven Widerstands.

In einer Tagung des Nordost-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport (Projekt Museum Friedland) am 16. Oktober 2014 sollen die Massenemigration der deutschen Bevölkerung aus der Sowjetunion im Herbst 1929 (Prof. Dr. Victor Dönninghaus) und die als "Jahre des Schweigens" bezeichnete Periode 1941-1958 (Dr. Alfred Eisfeld) näher beleuchtet werden. Susanne Worbs und Eva Bund (Nürnberg) werden sich mit dem Thema "Integration, Akkulturation und Identität" auseinandersetzen.

Das Grenzdurchgangslager Friedland wird auch von den Aussiedlern aus der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten als Tor zur Freiheit angesehen. In dem unter der Leitung des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport im Aufbau befindlichen Museum Friedland wird auch das Thema "Aussiedler und Spätaussiedler" vertreten sein. Konzeptionelle Überlegungen dazu wird Joachim Baur (Kurator des Museums Friedland) präsentieren.

Zum Abschluss der Tagung widmete sich eine Expertenrunde unter der Leitung von Dr. Joachim Tauber der Frage "Erinnern, aber wie?".

Eine Teilnahmegebühr wurde nicht erhoben. Die Teilnahme war auf Einladung möglich. Interessenten konnten sich per Mail oder unter Tel. 04131 - 40059-0 anmelden. Die Teilnehmerplätze waren begrenzt. Anmeldung erbitten bis zum 9. Oktober 2014.

19.09.2014
Letzte Aktualisierung: 2.12.2015

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.