Frühneuzeitliche Nationen im östlichen Europa

Frühneuzeitliche Nationen im östlichen Europa
Das polnische Geschichtsdenken und die Reichweite einer humanistischen Nationalgeschichte (1500-1700)

Hans-Jürgen Bömelburg

Wiesbaden: Harrassowitz 2006. 559 S.

(Veröffentlichungen des Nordost-Instituts; 4).

 
ISBN 978-3-447-05370-9

zu beziehen über den Buchhandel

48.00 EUR

 

Konkurrierende humanistische Nationskonzepte wurden bisher nur für den Westen und Süden Europas (Italien, Deutschland, Frankreich) bearbeitet. Sie spielen jedoch in der Frühmoderne Ostmitteleuropas eine erhebliche Rolle, ja entwickeln in der polnischen Adelsnation eine europaweit unübertroffene Reichweite. Die Studie zeichnet den humanistischen Nationsdiskurs in Polen anhand der umfangreichen Handschriften- und Frühdrucküberlieferung nach, der sich im scharfen Gegensatz zu deutschen und italienischen Konzepten entwickelte und durch den mit antiker Legitimation versehenen Sarmatia-Begriff eine hegemoniale Position im ganzen östlichen Europa beanspruchte.

Dem polnischen Geschichtsentwurf und der hier entworfenen Ehrgemeinschaft gelang es, konkurrierende Entwürfe in Litauen, Preußen, Masowien und teilweise der Ukraine zu überschichten und auf frühmoderne russische Entwürfe Einfluss auszuüben. Analysiert werden Medien und Verbreitungswege der Nationalgeschichte wie Genealogie, Emblematik, Rhetorik und Schulschriften sowie die gesellschaftliche Reichweite.

Für die deutsch-polnischen, aber auch für die polnisch-russischen Beziehungen heißt das, dass sie bereits in der Frühmoderne durch Wettkampfkonzepte geprägt waren, in denen jede Nation ihre Überlegenheit zu beweisen suchte und eine nationale Stereotypie entstand. Dieser Befund einer langen Dauer der konkurrierenden Nationalisierung ist für europaweit arbeitende Kulturwissenschaftler wie politisch Interessierte von Bedeutung und macht die Studie zu einem Standardwerk frühneuzeitlicher Geschichte.

Interessentengruppen:
Historiker, Osteuropahistoriker, Frühneuzeithistoriker, Literaturwissenschaftler, Slawisten, Kulturwissenschaftler, Kunsthistoriker

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Rezension in:

Historische Zeitschrift, Bd. 287(2009), S. 748-750

H-SOZ-U-KULT (2008), 3

H-Net-Reviews (2008)

Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 56 (2008), H. 3, S. 437-438

IFB: digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft

Recensio-net (2012)

Studia Historica Slavo-Germanica, 27.2006/2007(2008), S. 322-325

Wissenschaftlicher Literaturanzeiger, (2007)

Zeitschrift für Historische Forschung, Bd. 35,2008, H. 4, S. 668-670

Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2010) H.1 S. 93-95

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