Wintersemester 2012 / 2013

Dr. Andreas Lawaty und Dr. Katrin Steffen

Übung: Religion und Politik im Polen der Neuzeit. Erklärungen und Verklärungen

Universität Hamburg, Historisches Seminar, Blockkurs am 27.10., 17.11., 08.12.2012, Raum: 1211, und am 18.-19.01.2013 in Lüneburg

Religiöse Überzeugungen und Praxen sind wichtige soziale und politische Tatsachen. Die Geschichte und Gegenwart Polens bieten ein besonders interessantes Anschauungsfeld für die Wechselbeziehungen zwischen Religion und Politik im Kontext der europäischen Geschichte, insbesondere der Nachbarschaft zu Deutschland und Russland. Zu den zentralen Themen der Übung gehören: die Rolle der katholischen Kirche und anderer Konfessionen im Nationsbildungsprozess, religiöse Minderheiten und interkonfessionelle Konflikte, jüdische Kultur, Antisemitismus, Säkularisierung und Sakralisierung, politische Theologie, Kirche im Kommunismus, Fundamentalismus und Antiliberalismus, Kirche und Verfassung.

Literatur:
- R. Jaworski: Konfession als Faktor nationaler Identifikationsprozesse in Ostmitteleuropa im 19. und zu Beginn des 20. Jh. In: Pluralität, Religionen, kulturelle Codes. Hrsg. v. M. Csaky. Innsbruck 2001, S. 133-149;
- P. Kriedte: Katholizismus, Nationsbildung und verzögerte Säkularisierung in Polen. In: Säkularisierung, Dechristianisierung, Rechristianisierung im neuzeitlichen Europa. Hrsg. v. H. Lehmann. Göttingen 1997, S. 249-274.

Dr. Konrad Maier

Übung: Zur Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte Estlands.
Einführung in die Biografie-Forschung

Universität Hamburg, Institut für Finnougristik und Uralistik, Freitag 10-12 Uhr, Raum 007

Hauptthema der Übung ist die Frage nach der Bedeutung einzelner Persönlichkeiten in der Geschichte Estlands von den Anfängen schriftlicher Überlieferung bis ins 20. Jahrhundert. Nach einer Einführung in aktuelle Probleme der Biografie-Forschung wird anhand unterschiedlichster (Text-)Zeugnisse von und über Einzelpersonen die Schwierigkeit biografischer Annäherung an Individuen, Epochen und historische Entwicklungen thematisiert. Nicht ausschließlich die in der Geschichtsschreibung bekannten politisch Mächtigen stehen im Mittelpunkt, sondern Personen, die auf vielfältigen, vor allem kulturellen Gebieten – als Historiografen und Kleriker, als Maler und Aufklärer, als Bildungspolitiker und Journalisten, als Militärs und Schriftsteller – die Entwicklung der Geschichte Estlands geprägt haben. Die Biografien der Personen umspannen die gesamte Historie Estlands von den Anfängen der Eroberung des Baltikums im 12./13. Jahrhundert über die frühe Neuzeit und das Zeitalter der Aufklärung bis ins 19. Jahrhundert (Zeit des Erwachens), die erste Unabhängigkeit während der Zwischenkriegszeit und die Epoche der sowjetischen Okkupation und der wiedererlangten Souveränität nach 1991.

Literatur:
- Pierre Bourdieu: Biographische Illusion, in: Ders.: Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Frankfurt a.M. 1998, S. 75-83
- Handbuch Biographie, hrsg. v. Christian Klein. Stuttgart 2009, hier v.a. S. 331-338

 
Dr. Konrad Maier

Übung: Einführung in die Geschichte des Baltikums im „langen“ 19. Jahrhundert

Humboldt-Universität zu Berlin, Nordeuropa-Institut, Freitag 16-18 Uhr, Sonnabend 10-14 Uhr, Raum 3.101 (Blockseminar)

Für die russischen Ostseeprovinzen Estland, Livland und Kurland begann das „lange“ 19. Jahrhundert mit dem Tode Katharinas II. 1796 bzw. der Annexion Kurlands 1795 und endete mit dem Untergang der zarischen Autokratie im Februar 1917. Im Rahmen der Lehrveranstaltung werden die Hauptfelder politischen, sozialen und ökonomischen Wandels in den drei Gouvernements behandelt, in denen – als singuläre Erscheinung für Osteuropa – eine nicht russischsprachige Oberschicht die Autonomie der Region bestimmte: die Deutschbalten, während die alteingesessene Bevölkerung, die „Undeutschen“ bis weit ins 19. Jahrhundert in einem Status der Leibeigenschaft verharrte. In den einzelnen Blockveranstaltungen werden die großen Konfliktfelder der Region behandelt, beginnend mit der Aufklärung im Baltikum am Ende des 18. Jahrhunderts, der Agrarproblematik und den Reformversuchen von oben, der Konfessionsfrage in der Mitte des 19. Jahrhunderts, dem (kulturellen bzw. nationalen) Erwachen der Autochthonen seit den 1850er Jahren, der „Russifizierung“ in den Ostseeprovinzen mit dem Höhepunkt in den 1880er und 1890er Jahren sowie dem Ausbruch revolutionärer Gewalt in der ersten Russischen Revolution von 1905. Ziel der Veranstaltung ist es, die Hauptlinien der Entwicklung des Baltikums im 19. Jahrhundert nachzuzeichnen, in den Gesamtkontext Nordosteuropas einzuordnen und Gründe für die Entstehung der – heute wieder souveränen Staaten – Estland und Lettland zu diskutieren. In einem Exkurs (ca. 6 Unterrichtsstunden) kann auf die Sonderentwicklung Litauens im „langen“ 19. Jahrhundert eingegangen werden.

Literatur:
- Die Baltischen Länder, hrsg. v. Gert von Pistohlkors. Berlin 1994 (Deutsche Geschichte im Osten Europas)
- Michael Garleff: Die baltischen Länder. Regensburg 2001
- Ralph Tuchtenhagen: Geschichte der baltischen Länder. München 2005

 

Dr. Joachim Tauber

Seminar: Die Wehrmacht im Dritten Reich, 1933-1939

Universität Hamburg, Historisches Seminar, Freitag 10–12 Uhr, Raum: 1211

In der Historiographie der 50er und 60er Jahre stellten die Beziehungen zwischen der militärischen Führung und dem Nationalsozialismus einen Schwerpunkt der Forschung dar. Welche Politik verfolgte die Generalität? Wie wurde aus der Reichswehr die Wehrmacht Hitlers? Entscheidende Zäsuren und Umbrüche auf dem Weg zu einer nationalsozialistischen Armee wie die Vereidigung der Soldaten auf Hitler, die Rolle der Wehrmacht beim sog. Röhm-Putsch oder während der Blomberg-Fritsch-Krise, aber auch die Rüstungspolitik stehen im Mittelpunkt des Seminars, das zugleich die damaligen Forschungsansätze und Darstellungen als Teil einer ersten vergangenheitspolitischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus beleuchten möchte.

Für den Scheinerwerb werden ein Referat von ca. 30 Min. und eine schriftliche Hausarbeit erwartet.

Literatur:
- Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Armee und nationalsozialistisches Regime, Erstauflage Stuttgart 1969.
- Manfred Messerschmidt: Die Wehrmacht im NS-Staat. Zeit der Indoktrination, Erstauflage Hamburg 1969.
- Wolfram Wette: Die Wehrmacht. Feindbilder – Vernichtungskrieg – Legenden, Frankfurt a.M. 2002.

 

Anja Wilhelmi

Seminar: Gehört das Baltikum zu Europa? Zwischen nationaler Identität und staatlicher Loyalität. Der Konflikt der deutschen Minderheit im Russischen Reich (19./20. Jh.)

Leuphana Universität Lüneburg, Freitag 14.15-15.45 Uhr, Raum: C 12.015

Einführung in die Geschichte des Russischen Reiches der Ostseeprovinzen im 19./20. Jahrhundert, unter besonderer Berücksichtigung politischer und sozialer Strukturen.
Zentraler Untersuchungsgegenstand ist die Minderheitensituation der deutschen Bevölkerung in Est- Liv- und Kurland. Dabei steht die Erarbeitung von Konzepten von Nationalität, Identität und Loyalität im Kontext von historischer Minderheitenforschung im Vordergrund.

Hinweise zur Studienleistung:    Essay (ca. 1000 Wörter)
Hinweise zur Prüfungsleistung:  Hausarbeit

Letzte Aktualisierung: November 2012
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