Wintersemester 2015/16

Dr. David Feest

Seminar: Kultur und Gesellschaft der Baltischen Staaten in der Zwischenkriegszeit

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften, Freitag 12-14 Uhr, Institutsgebäude 0319-22 (HV 5), wöchentlich: 16.10.2015-12.02.2016

Die Baltischen Republiken erklärten ihre staatliche Unabhängigkeit im Jahr 1918. Ihre Konsolidierung nach außen und nach innen war aber ein langwieriger Prozess. Die  Nationswerdung war bei weitem noch nicht abgeschlossen, und wurde zum zentralen Projekten der Nationalstaaten. Gleichzeitig erforderte die  multiethnische Wirklichkeit der Staaten Arrangements, mit denen nationale Minderheiten wie die Deutschbalten in diese Staaten integriert werden konnten. Das Seminar beschäftigt sich aus einer kulturhistorischen Perspektive mit diesen Prozessen der Staats- und Nationswerdung: Wie wurden die zentrale Ereignisse wie die Staatsgründung oder der Kampf gegen Sowjetrussland  aufgefasst und als Teil von größeren  Nationalgeschichte präsentiert? Welcher Zusammenhang bestand zwischen Kulturpolitik und nationaler Mobilisierung? Und welche Lösungen wurden für die Frage der nationalen Minderheiten gefunden?

Die Einzeltermine des Seminars entnehmen Sie bitte dem Vorlesungsverzeichnis.

Literatur:

Georg von Rauch: Geschichte der Baltischen Staaten. 3. Aufl. München 1990

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Dr. Katrin Steffen

Seminar: Biographie und Geschichtswissenschaft. Zu Risiken und Chancen der biographischen Methode

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Freitag 10-12 Uhr, wöchentlich: 09.10.2015-29.01.2016

Biographien sind aus den Programmen großer Publikumsverlage nicht wegzudenken. In den Kultur- und Geschichtswissenschaften erfreuen sie sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls einer zunehmenden Beliebtheit. Dies ist durchaus überraschend, galten Biographien doch während der nicht allzu lang zurück liegenden Hochzeit der Sozialgeschichte in den 1960er und 1970er Jahren als ein verstaubtes und methodisch konservatives, wenn nicht gar reaktionäres Genre. Die Kritik am Genre „Biographie“ von postkolonialer, feministischer und postmoderner Seite hat indessen dazu beigetragen, dass über biographische Methoden und Theorien verstärkt reflektiert wird. Als Ergebnis haben wir es heute mit einer Vielfalt von Ansätzen in der historischen Biographieforschung zu tun.
Biographien offenbaren dabei zentrale Probleme und Fragen der Geschichtswissenschaft als Methode und als Darstellungsform. Die Auseinandersetzung mit Biographik bietet die Möglichkeit, über historisches Erzählen zu reflektieren, über die Handlungsspielräume von Individuen nachzudenken und Überlegungen über Konzeptionen von Subjektivität und Objektivität anzustellen. Das Seminar wird an ausgewählten Beispielen aus der europäischen Geschichte untersuchen, wie sich die historische Biographieforschung entwickelt hat, wie Biographien für eine kritische Geschichtswissenschaft erschlossen werden können und wie sich Biographie und Struktur vor dem Hintergrund heutiger Forschungsparadigmen verbinden können.

Literatur:
- Christian Klein (Hg.): Handbuch Biographie. Methoden, Traditionen, Theorien, Stuttgart 2009.
- Thomas Etzemüller, Biographien. Lesen – erforschen – erzählen, Frankfurt am Main 2012.
- Levke Harders, Legitimizing Biography: Critical Approaches to Biographical Research, Bulletin of the GHI, 55, Fall 2014, S. 49-56.

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PD Dr. Joachim Tauber

Hauptseminar: Flucht und Vertreibung der Deutschen: Historisches Geschehen 1945-1949 und die politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989

Universität Hamburg, Historisches Seminar; FB Geschichte, Freitag 10-12 Uhr, Raum Phil 972
Veranstaltungsnummer: 54-331

Das Seminar untersucht zum einen die Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den östlichen Territorien des Deutschen Reiches und den deutschen Siedlungsgebieten, zum anderen geht es um die Frage nach der Rolle, die die Vertreibung in der politischen Diskussion und innenpolitischen Auseinandersetzung der Bundesrepublik spielte.

Studien-/Prüfungsleistungen: Für den Scheinerwerb werden ein Referat von ca. 30 Min. und eine schriftliche Hausarbeit erwartet.

Literatur:
- Wolfgang Benz (Hrsg.): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Ursachen, Ereignisse, Folgen, Frankfurt a.M. 1985;
- Anna Jakubowska: Der Bund der Vertriebenen in der Bundesrepublik und Polen (1957-2004). Selbst- und Frenddarstellung eines Vertriebenenverbandes, Marburg 2012;
- Manfred Kittel: Vertreibung der Vertriebenen? Der historische deutsche Osten in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik (1962-1986), München 2007.

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Dr. Anja Wilhelmi

Übung: Familienkonzepte im 19. Jahrhundert. Zwischen Politisierung und Ideologiesierung

Universität Hamburg, Historisches Seminar; FB Geschichte, Donnerstag 12-14 Uhr, Raum Phil 964
Veranstaltungsnummer: 54-238

Im 19. Jahrhundert entstand im deutschsprachigen Raum ein intensiver Diskurs zum Thema „Familie“. In dem Bemühen um den „Erhalt der Familie“ wurde insbesondere Wilhelm Riehl mit seiner Schrift „Die Familie“ von 1855 bis weit in das 20. Jahrhundert hinein diskutiert. In seinen Ausführungen geht Riehl auf aktuelle zeitgenössische Entwicklungen v.a. in Gesellschaft und Politik ein.
In der Übung wird anhand von Riehls Familienkonzept der Diskurs um die Familie als staatstragendes Element mit weiteren zeitgenössischen (Gegen-) Entwürfen und unter Heranziehung ihres jeweiligen politischen, sozial- und kulturgeschichtlichen Kontextes diskutiert.

Zusätzliche Hinweise zu Prüfungen: Regelmäßige Teilnahme, Sitzungsgestaltung mit schriftlicher Ausarbeitung.

Literatur:
- www.zeitschrift-fuer-Familienforschung.de;
- Brakmann, Thomas u. Bettina Joergens (Hrsg.): Familie? Blutsverwandtschaft, Hausgemeinschaft und Genealogie. Beiträge zum 8. Detmolder Sommergespräch, Essen 2014;
-Familie und öffentliche Erziehung. Theoretische Konzeptionen, historische und aktuelle Analysen, hrsg. v. Jutta Ecarius (u.a.). Wiesbaden 2009;
- Seminar: Familie und Gesellschaftsstruktur. Materialien zu den sozioökonomischen Bedingungen von Familienformen. Hg. v. Heidi Rosenbaum. Fft. a.M. 1988;
- Gestrich, Andreas: Geschichte der Familie im 19. Und 20. Jahrhundert, München 1999 (Enzyklopädie Deutscher Geschichte. 50);
- Riehl, Wilhelm Heinrich: Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Sozial-Politik. Bd. 3: Die Familie. Stuttgart 1855.

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Letzte Aktualisierung: 14.10.2015
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