Weitere Neuigkeiten


01.06.2023

Keine Erreichbarkeit am 13.06.2023 

nordost-institut und nordost-bibliothek

Am 13.06.2023 sind das Nordost-Institut und die Nordost-Bibliothek telefonisch sowie persönlich nicht erreichbar. Die Nordost-Bibliothek bleibt an diesem Tag für Besucher:innen geschlossen.

25.05.2023

„Alles, nur nicht Polen ...“

Agnieszka Pufelska kritisiert in der NZZ den westeuropäischen Zentrismus des Humboldt-Forums in Berlin

Das Humboldt-Forum in Berlin hat den kritischen Umgang mit der Geschichte des Kolonialismus und mit dem kolonialen Erbe zu einem seiner Kernthemen bestimmt. Dabei, so Agnieszka Pufelska in ihrem Beitrag vom 19. Mai 2023 in der Neuen Züricher Zeitung, pflegt das Humboldt-Forum allerdings einen lang hergebrachten europäischen Zentrismus. So sei weder im kürzlich begangenen Erinnern der Revolution von 1848/49 der Niederschlagung des polnischen Aufstandes in Posen gedacht worden, noch widme sich das Humboldt-Forum der kolonial-imperialen Geschichte Preußens in Polen. Die Kritik Pufelskas richtet sich dabei nicht allein auf die Einseitigkeit des Verständnisses von Kolonialismus, wie sie sich im Umgang mit dem Thema im Humboldt-Forum zeigt. Vielmehr drängt sie darauf, die historische Analyse des Kolonialismus und seiner Folgen ebenso auf den europäischen Binnenkolonialismus, im konkreten Fall auf das koloniale Selbstverständnis und Agieren Preußens in seinen östlichen, durch die Teilung Polens entstandenen Provinzen, auszudehnen und auf diese Weise der Vorherrschaft des westeuropäischen Diskurses, wie sie in der Interpretation und Darstellung der gesamteuropäischen Vergangenheit nach wie vor anzutreffen ist, entgegenzuwirken.

24.05.2023

„Nach Italien"

Edition des Reisetagebuches der Rigaer Künstlerin Elise von Jung-Stilling

In der Dokumentesammlung des Herder-Instituts Marburg wird eine Archivalie aufbewahrt, die das Interesse der Forschung aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Perspektiven zu wecken vermag - das Reisetagebuch der Künstlerin und Kunstpädagogin Elise von Jung-Stellingen (1829-1904). Es wurde jetzt in der Reihe „Online-Publikationen“ des Nordost-Instituts als Transkription ediert. Die kommentierte und mit einem wissenschaftlichen Apparat versehene Edition wird begleitet von zwei wissenschaftlichen Beiträgen. Baiba Vanaga stellt das Schaffen der Künstlerin vor, die mit der „Jung-Stillingsche Zeichenschule“ 1873 in Riga die erste Zeichenschule für Frauen im Baltikum begründete. Die Schule hatte maßgeblich Anteil an der professionellen Ausbildung von Künstlerinnen und Künstlern aus dem gesamten baltischen Raum und wurde nach dem Tod Elise von Jung-Stillings als „Rigaer Städtische Kunstschule“ von der Stadt weitergeführt. In einem weiteren Beitrag stellt Anja Wilhelmi das Reistagebuch als historische Quelle vor. Sie skizziert dessen Vielschichtigkeit, die es erlaubt, aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen mit Fragen und Analyseansätzen an den Reisebericht heranzutreten.

23.05.2023

Historische Forschung aus der Ukraine 

Die Stipendiaten des Nordost-Instituts stellen in einer Vortragsreihe ihre Forschungen vor

Seit den ersten Monaten des Krieges Russlands gegen die Ukraine bietet das Nordost-Institut Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine im Rahmen eines Stipendienprogramms die Möglichkeit, ihre Forschungen fortzusetzen. Im Frühjahr und im Herbst des laufenden Jahres stellen die Stipendiatinnen und Stipendiaten in einer Vortrags- und Gesprächsreihe ihre Forschungsprojekte vor. Am 23. Mai 2023 berichtet Serhii Kokin, Mitarbeiter des Instituts für die Ukrainische Geschichte der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Kyiv, über seine Forschungen zu „Kommunistischen Staatssicherheitsorgane als Bestandteil und Faktor des totalitären Regimes in der Ukrainischen RSR 1918–1941“. Am 20. Juni 2023 stellt Liliia Tsyganenko, Professorin und stellv. Rektorin der Staatlichen geisteswissenschaftlichen Universität zu Izmail, ihre Untersuchungen von „Repression und Zwangsmigration als Kennzeichen des Sowjetisierungsprozesses in Südbessarabien (1940-1953)“ vor. Am 27. Juni 2023 spricht Volodymyr Leysle, der Vorsitzende des Rates der Deutschen der Ukraine, über „Die ukrainische und deutsche Gesetzgebung im Bereich Minderheitenschutz“. Die Veranstaltungen sind öffentlich, wir bitten um eine Anmeldung unter: sekretariat@ikgn.de.

05.05.2023

Musik gegen das Vergessen

Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung erhält den Hosenfeld-Szpilman-Preis 2023

Am 19. April 2023 wurde in Lüneburg der Hosenfeld-Szpilman-Preis 2023 an die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung vergeben. Es wurde damit das Projekt Krzyżowa-Music, ein jährlich in Kreisau ausgerichtetes Kammermusikfestival, gewürdigt. Die Universitätsgesellschaft Lüneburg ehrt gemeinsam mit der Museumsstiftung und der Hansestadt Lüneburg mit diesem Preis Initiativen, die den Widerstand, der sich ausgehend von ethischen Werten gegen den Nationalsozialismus wandte, in Erinnerung bewahren oder in einer besonderen Weise zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus beitragen. Der diesjährige Preis für das Musikfestival steht in einem besonderen Bezug zu den Namensgebern. Im November 1944 hatte der deutschen Offizier Wilm Hosenfeld im besetzten Warschau den jüdischen Pianisten Władysław Szpilman entdeckt und das Leben gerettet. Jahre später bemühte sich Szpilman, Hosenfeld aus der Kriegsgefangenschaft zu befreien, der jedoch 1952 in Gefangenschaft in Stalingrad starb.

Die Auswahl des Preisträgers erfolgte durch ein Kuratorium, dem als externe Jurymitgliedern Prof. Dr. Peter Oliver Loew (Direktor des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt), Dr. Elke Gryglewski (Leiterin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten) und Prof. Dr. Joachim Tauber (Direktor des Nordost-Instituts in Lüneburg) angehörten.

Pressebericht der Universitätsgesellschaft und der Museumsstiftung Lüneburg

04.05.2023

Ein außergewöhnliches Ereignis

Lettlands Staatspräsident besucht das Nordost-Institut

Der Staatspräsident der Republik Lettland, Egils Levits, besuchte auf Einladung am 28. April 2023 das Nordost-Institut in Lüneburg. Begleitet wurde er von der neuen lettischen Botschafterin in Berlin, Alda Vanaga, dem Stellvertretenden Botschafter Kristaps Misāns sowie der außenpolitischen Beraterin des Präsidenten, Solveiga Silkalna.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Joachim Tauber, Direktor des Nordost-Instituts, und Detlef Henning, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, sowie einer kurzen Führung durch die Bibliothek und die Arbeitsräume des Instituts setzten sich die lettischen Gäste mit den für den Bereich der Baltischen Geschichte zuständigen Wissenschaftlern (Joachim Tauber, David Feest, Detlef Henning und Anja Wilhelmi) zu einem Arbeitsgespräch zusammen. Themen bildeten die Forschungen am Institut zur Baltischen Geschichte, die Bedeutung der Baltischen Geschichte für die deutsch-baltischen Beziehungen und die gemeinsame europäische Erinnerung sowie der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Im Anschluss fuhr die lettische Delegation in die Lüneburger Universität, wo Egils Levits für seine wissenschaftliche Arbeit und sein politisches Lebenswerk die Ehrendoktorwürde der Leuphana Universität verliehen wurde.

Dr. Dr. h. c. Egils Levits wurde 1955 im sowjetisch besetzten Lettland geboren, reiste 1972 mit seinen Eltern in die Bundesrepublik Deutschland aus und machte 1973 am Lettischen Gymnasium in Münster sein Abitur. Nach einem Jurastudium in Hamburg und einer wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität Kiel arbeitete er 1989 bis 1991 unter Boris Meissner am Institut für Deutschland- und Osteuropaforschung des Göttinger Arbeitskreises, einem der beiden Vorgängerinstitutionen des Nordost-Instituts, bevor ihn ab 1992 seine politische Karriere als lettischer Diplomat, Justizminister, Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sowie dem Europäischen Gerichtshof 2019 in das höchste Amt der Republik Lettland führte. Zahlreiche Beiträge zum Recht, zur Rechts- und Zeitgeschichte weisen Levits auch als erfolgreichen Wissenschaftler aus. Er ist Mitglied der Baltischen Historischen Kommission e. V.

Bereits 2007 hatte Levits zusammen mit der ersten lettischen EU-Kommissarin Sandra Kalniete im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses einen der beiden Eröffnungsvorträge der vom Nordost-Institut veranstalteten „7th Conference on Baltic Studies in Europe (CBSE)“ gehalten, mit über 300 Teilnehmern aus aller Welt die bisher größte Tagung in der Geschichte der CBSE.

Foto: Ilmārs Znotiņš, Kanzlei des Staatspräsidenten

26.04.2023

Koordinationsstelle der Deutsch-Russischen Geschichtskommission

Florian Coppenrath übernimmt in Vertretung die wiss. Koordination

Mit dem 24. April 2023 hat Florian Coppenrath - bisher wissenschaftlicher Redakteur der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen - deren wissenschaftlichen Koordination in Vertretung für Lena Radauer übernommen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Hip-Hop Musikproduktion in Bischkek, Kirgistan, die er aus der Perspektive der Wirtschaft untersucht. Er bereitet hierzu eine Dissertation am Zentralasien-Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin vor. Seit Oktober 2020 ist Joachim Tauber, Direktor des Nordost-Instituts, deutscher Co-Vorsitzenden der Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, im Zuge dessen die wissenschaftliche Koordination und Redaktion der Kommission am Nordost-Institut angesiedelt wurde. In Reaktion auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine wurde von deutscher Seite die gemeinsame Arbeit der Kommission ausgesetzt.

25.04.2023

Neue Ansätze zur Geschichte der Herrschaft Katharinas der Großen

Publikation unter Beteiligung des Nordost-Instituts

Mariupol, Odessa, Cherson... - das sind Städte, in denen der Krieg in der Ukraine tobt. Sie wurden von Katharina der Großen gegründet, deren Truppen diese südlichen europäischen Regionen gegen Ende des 18. Jahrhunderts von den Osmanen erobert hatten. Die Schaffung neuer städtischer Zentren war Teil der Werbemaschinerie der deutschstämmigen Herrscherin. Das 'geopolitische' Konzept, das hinter den Stadtgründungen stand, blieb dabei gegenüber der Lage der Menschen vor Ort gleichgültig - sowohl ihrer eigenen Untertanen als auch der Minderheiten, die infolge ihrer Kriege in das riesige Reich eingegliedert wurden. Die Publikation „L'empire de Catherine la Grande. Nouvelles Approches", die von Kerstin S. Jobst, Francine Dominique Liechtenhan, Agnieszka Pufelska, Jan Kusber und Guillaume Nicoud im Verlag Édition SPM herausgegeben und deren Erscheinen vom Nordost-Institut gefördert wurde, wirft in fünfzehn Beiträgen einen kritischen Blick auf Katharinas Platz in der Geschichte Russlands und der Geschichte Europas und ihren wechselseitigen Rückbezügen.

25.04.2023

Subjektivität und sexuelles Begehren

Band XXIX des Nordost-Archivs erschienen

Der aktuelle, von Dietlind Hüchtker, Claudia Kraft und Katrin Steffen herausgegebene Band des Nordost-Archivs unter dem Titel „Begehren macht Akteur*innen. Praktiken der Subjektivierung im 20. Jahrhundert" schließt kritisch an Forschungen zur Geschichte des Selbst an und wendet sich Praktiken der Subjektivierung im östlichen Europa im 20. Jahrhundert zu. Die Beiträge setzen sich mit Fragen der subjektiven, sozialen und gesellschaftlichen Körperwahrnehmung und ihrer Politisierung, mit der Verschiebung von normativen Vorstellungen der Familienplanung sowie mit Fragen der historischen Darstellungen von Geschlecht und Sexulalität auseinander, wobei der Schwerpunkt auf Polen, der Sowjetunion und der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen liegt. Dabei stellen die  Texte die Perspektiven der Akteurinnen und Akteure in den Vordergrund. Sie liefern somit einen innovativen Zugang zur jüngeren Geschichte des östlichen Europa und tragen mit der Historisierung des sexuellen Begehrens zu einem differenzierten Verständnis sozialer Beziehungen, individueller Erfahrungen und gesellschaftlicher Ordnungen bei.

04.04.2023

Krieg in der Ukraine - „Zerbombte Kirchen, geplünderte Archive: Warum? Was kann gerettet werden?"

Ein Special der Online Plattform Дekóder

Der Krieg gegen die Ukraine ist auch ein Krieg gegen die Kultur und die historische Erinnerung in der Ukraine. Der Schutz und die Bewahrung von historischen Gütern, Dokumenten und Objekten ist daher ein wesentliches Element der Selbstbehauptung der Ukraine. Die Onlineplattform „Дekóder" hat ein Special unter dem Titel „FAQ #10: Zerbombte Kirchen, geplünderte Archive: Warum? Was kann gerettet werden?" zusammengestellt. Acht Historikerinnen/Historiker und Kunsthistorikerinnen/Kunsthistoriker stellen in konzisen Beiträgen das Ausmaß der Zerstörung und des Raubs von Kulturgütern durch das russische Militär und die russischen Okkupationsbehörden auf dem Gebiet der Ukraine dar, berichten über Strategien, wie Kulturgüter von ukrainischer Seite mit internationaler Hilfe aktiv geschützt werden, und skizzieren die Folgen des Kulturgutverlustes. Das Nordost-Institut hat das Special inhaltlich und konzeptionell begleitet. Darüber hinaus diskutiert unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dmytro Myeshkov, der seit Beginn des Krieges Informationen zu Angriffen auf Archive in der Ukraine sammelt, im Dekoder-Special die Frage, warum in diesem Krieg von russischer Seite aus auch KGB-Archive zerstört werden.

19.01.2023

Victor Dönninghaus und Andrej Savin: Unter dem wachsamen Auge des Staates

Rezension von Ludwig Steindorff

In dem 2019 erschienenen Band „Unter dem wachsamen Auge des Staates. Religiöser Dissens der Russlanddeutschen in der Breschnew-Ära“ (Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, 22) untersuchen Victor Dönninghaus und Andrej Savin (mit einem Beitrag von Johannes Dyck) auf einer breiten Quellengrundlage die Geschichte, die Organisation und das gemeinschaftliche Leben der evangelischen Freikirchen in der Sowjetunion zwischen staatlicher Kontrolle und gemeinschaftlichen Eigensinn. Die Publikation wurde nun von Ludwig Steindorff im Band 69 (2022) der Jahrbücher für Geschichte Osteuropas rezensiert.

19.01.2023

„Zeitenwende. Deutsche und russische Erfahrungen 1917-1919“

Rezension von Klaus Steinke

Am Nordost-Institut ist der deutsche Part der „Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehung“ angesiedelt. Die Ergebnisse zweier Kolloquien der Kommission wurden im Februar 2022 von Joachim Tauber und Alexander Tschubarjan unter dem Titel „Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917-1919/На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг.“ herausgegeben. Das Kolloquium, welches 2017 in Moskau stattfand, widmete sich der Geschichte der Russischen Revolution von 1917; das nachfolgende Kolloquium von 2018 wendete sich in München der Geschichte der Novemberrevolution im deutsch-russischen Kontext zu. Der Band (Mitteilungen der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, 10) wurde nun von Klaus Steinke in „Informationsmittel (IFB). Digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft“ rezensiert.

 

11.01.2023

Besuch und Erreichbarkeit des Nordost-Instituts

Regelungen zur Eindämmung der COVID19-Pandemie

Der Besuch des Instituts ist unter Einhaltung der allgemein empfohlenen hygienischen Regeln möglich. Eine Maskenpflicht gibt es seit Januar 2023 nicht mehr. Diese Regelungen gelten gleichermaßen für einen Besuch der Nordost-Bibliothek. Weitere Informationen zur Bibliotheksbenutzung finden Sie auf der Webseite der Nordost-Bibliothek

Sie erreichen das Institut telefonisch in den Geschäftszeiten (Mo.-Do. 10.00-12.00 Uhr und 13.30-15.00 Uhr sowie Fr. 10.00-12.00 Uhr) oder per Email sekretariat@ikgn.de.

11.01.2023

Strategien der Aneignung in der nationalsozialistischen Stadt- und Raumplanung

Ein Beitrag von Katja Bernhardt in der Zeitschrift „Der Westpreuße“

Degradierung des Vorhandenen und Planung einer ‚totalen‘ Ordung seien die beiden ineinandergreifenden Strategien, mit der sich die nationalsozialistische Stadt- und Raumplanung den 'neuen Osten' angeeignet habe. Katja Bernhardt skizziert dieses Prinzip in einem konzisen Beitrag, der unter dem Titel „Die Imagination einer ‚totalen‘ Planung. Raumordnung und Stadtarchitektur im Reichsgau Danzig-Westpreußen“ in der Winterausgabe 2022 der Zeitschrift „Der Westpreuße“ erschienen ist. Die Forschung zu Architektur- und Stadtbaugeschichte im Nationalsozialismus, so Konsequenz aus dieser Festellung, könne sich dementsprechend nicht nur auf die Planungsgeschichte konzentrieren, sondern müsse die Degradierung - wie sie etwa über mediale Inszenierungen in der Massen- ebenso wie in der Fachpresser erfolgte - und Zerstörung als dialektisches Gegenstück zur nationalsozialistischen Planung für den ‚neuen Osten‘ systematisch berücksichtigen.

05.01.2023

Nordost-Bibliothek - Aktuell

Öffnungszeiten und Regelungen für die Nutzung

Die Nordost-Bibliothek ist nach Voranmeldung für die öffentliche Benutzung Dienstag bis Donnerstag 10:00 - 16:00 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Bitte melden Sie sich für Ihren Besuch per Email an unter: nob@ikgn.de. Weitere Informationen zum Besuch und zur Nutzung der Bibliothek finden Sie auf der Webseite der Bibliothek.

20.12.2022

Workshop „Tourismus und Aussöhnung in Europa“

Tagungsbericht von Melanie Hussinger

Am 1. und 2. September 2022 veranstaltete das Nordost-Institut unter der Federführung von PD Dr. David Feest gemeinsam mit der Helmut-Schmidt Universität Hamburg, vertreten durch Dr. Jan-Hinnerk Antons, den Workshop „Tourismus und Aussöhnung in Europa“. Er widmete sich der Frage, welche Rolle der internationale Tourismus nach 1945 in seinen unterschiedlichen Facetten für die Aussöhnung einstiger Kriegsgegner des Zweiten Weltkriegs spielte. Melanie Hussinger (Geschichte Osteuropas und Ostmitteleuropas, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) hat nun für H/Soz/Kult einen Tagungsbericht zur Veranstaltung verfasst.

20.12.2022

Katrin Steffen: Blut und Metall

Rezension von Tomáš Pavlíček

In ihrer Monografie „Blut und Metall. Die transnationalen Wissensräume von Ludwik Hirszfeld und Jan Czochalski im 20. Jahrhundert“ untersucht Katrin Steffen anhand der Biografien zweier Wissenschaftler, des Serologen Ludwik Hirszfeld und des Metallurgen Jan Czochalski, die komplexen Konstellationen der Wissensgenerierung zwischen nationalstaatlicher Loyalität und wissenschaftlicher Kooperation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Tomáš Pavlíček hat nun den Band für HSoz-Kult einer eingehenden Besprechung unterzogen.

08.12.2022

Geist von Potsdam

Symposium zur kritischen Befragung von Tradition und Erbe preußischen Militärs

Das Nordost-Institut ist Mitorganisator des internationalen Symposiums „Geist von Potsdam. Preußisches Militär als Tradition und Erbe“, das vom 13. bis zum 15. Januar 2023 von der Initiative "Lernort Garnisonskirche" in Potsdam veranstaltet wird. Die Veranstaltung nimmt den Krieg gegen die Ukraine zum Anlass, denn die aktuellen Verbrechen der russischen Armee in der Ukraine zeigen mit aller Deutlichkeit, wie die historisch gewachsenen, latenten und manifesten Potenziale eines hegemonialen Überlegenheitsanspruchs zu einer Entfesselung von Gewalt und zu Krieg führen können. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, nach politisch-ideologischen Prägungen des Militärs zu fragen. Inwiefern stellen imperiale respektive koloniale Gewalt eine legitimierende Kontinuität im Denken und Handeln der Soldaten dar? Die Tagung beabsichtigt, dieser Frage am Beispiel des preußischen Militärs nachzugehen. Unter Einbeziehung interdisziplinärer Perspektiven sollen Funktionsbedürfnisse des Militärs vor dem Hintergrund der preußischen imperialen und expansionistischen Politik - gerade in Osteuropa- aufgezeigt werden. Im Rahmen der Veranstaltung spricht Agnieszka Pufelska in der Sektion Gewaltakte/Gewaltexzesse zu "Preußische Angriffskriege/Preußische Teilungen".

07.11.2022

Mythen als Glaubenssätze

Ein Podcastbeitrag von Agnieszka Pufelska für HistoryCast 

In ihrem Beitrag „Mythen im Ukrainekrieg“ für den HistoryCast des Verbandes der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands setzt sich Agnieszka Pufelska mit Mythen auseinander, die den Krieg Russlands gegen die Ukraine auf beiden Seiten des Konfliktes begleiten. Sie richtet ihre Aufmerksamtkeit auf die russische Propaganda und diskutiert etwa den heilsgeschichtlichen Mythos, Russland sei Retter vor „dem Faschismus“ und „westlicher Dekadenz“. Sie wirft aber ebenso einen Blick auf die mythologische Deutung der Kiewer Rus in der ukrainischen Geschichtswahrnehmung, in der das mittelalterliche Reich als „ukrainisches Jerusalem“ imaginiert wird. Mythen seien, so Pufelska, „kraftspendende Erzählung, die man braucht, um Kollektive zu gründen, um Gemeinschaften zu etablieren, um auch diese Gruppen zu mobilisieren.“

07.11.2022

„Ähnliche Muster früher und heute“

David Feest im Gespräch mit der TAZ Nord über die Aktualität der diesjährigen Vortragsreihe des Nordost-Instituts

„Propaganda ist die gerichtete Kommunikation zur Erreichung politischer Ziele – sie hat ein instrumentelles Verhältnis zur Wahrheit.“ Von dieser Kernaussage ausgehend skizziert David Feest in seinem Interview mit der TAZ Nord (1. November 2022) mit Blick auf die zeitgenössische russische Propaganda die Aktualität der Vortragsreihe "Alles Propaganda? Kommunikation, Medien und Macht in Geschichte und Gegenwart im östlichen Europa", die das Nordost-Institut von November 2022 bis Januar 2023 in Lüneburg und online veranstaltet. Die Vortragsreihe weitet die Perspektive. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf Propagandastrategien verschiedener historischer und staatlicher Kontexte, etwa in Deutschland, Polen, Estland, der Ukraine und Russland, und wendet sich dabei ebenso nichtoffiziellen, gleichwohl hochwirksamen Formen polarisierender Meinungsbildung zu.

13.10.2022

Aktualität und Kontext von Jerzy Jedlickis Essay „Erbe und kollektive Verantwortung“

Neue Veröffentlichung der „Übersetzten Geschichte“ des Nordost-Instituts

In der Online-Präsentation „Übersetzte Geschichte“ des Nordost-Instituts sind drei Übersetzungen aus dem Buch von Jerzy Jedlicki „Zur Unzeit geboren oder über die historische Erfahrung“ erschienen. Der von dem Historiker 1987 verfasste Essay „Erbe und kollektive Verantwortung“, der Aufsatz von Stefan Amsterdamski „Verantwortung ohne Schuld und Strafe?“ und Jedlickis „Postscriptum“ entstanden in Polen in einer Atmosphäre einer allmählichen Öffnung der Gesellschaft für die Komplexität und Diversität der eigenen Vergangenheit. Jedlicki fragte in seinem Essay, welches Erbe und welche Verantwortung aus der Vergangenheit eine Gemeinschaft annimmt. Für ihn war es klar, dass Gemeinschaften und Institutionen die jeweilige Vergangenheit in Gänze erben, und er hielt es für unmöglich, nur die positiven Traditionen zu übernehmen. Konträr zu Jedlickis Position steht Amsterdamskis Aufsatz, den Jedlicki mit dessen Erlaubnis in seinem Buch abdruckte. Die Übersetzungen werden von Katrin Steffen eingeleitet. Die gesamte Veröffentlichung oder aber die einzelnen Beiträge können Sie hier einsehen und herunterladen.

05.09.2022

Mehr als nur Kriegsgefangener

Lena Radauer zur Bedeutung von Berufen für die Identität von Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dienen Internierungen als Mittel der Herrschaftsdurchsetzung und -sicherung. Im Ersten Weltkrieg war die Internierung eine grundlegende Erfahrung sowohl für Militärangehörige wie für Zivilisten. Der von Rotem Knower und Iris Rachamimov herausgegebene Sammelband „Out of Line, Out of Place: A Global and Local History of World War I Internments“ (Cornell University Press, 2022) widmet sich der Geschichte der Lager dieser Zeit von unterschiedlichen Fragestellungen her. Lena Radauer (Deutsch-Russische Geschichtskommission am Nordost-Institut) hat zu diesem Band beigetragen und stellt in ihrer Studie: „Prisoner-of-War Civilian Experience: The Role of Profession Among POWs in Russia“ der bisher in der Forschung dominierenden Reduktion von Kriegsgefangenen auf ihre militärische Identität die Bedeutung der Berufe der jeweiligen Kriegsgefangenen für das Leben und die Struktur im Internierungslager gegenüber.

01.09.2022

Das Bild als Archiv

Katja Bernhardt zur Visualisierung des Marktes in Marienburg (Malbork)

Im Messbildarchiv des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums wird der sogenannte ‚Auftrag Speer‘ der ehemaligen Staatlichen Bildstelle Berlin aufbewahrt. Das Konvolut umfasst etwa 1750 Glasplattennegative und wurde 2018-2020 in einem am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege angesiedelten Forschungsprojekt aufgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden in der umfassenden und von Katharina Steudtner betreuten Publikation „Der ‚Auftrag Speer‘ der Staatlichen Bildstelle Berlin“ vorgestellt. Vier Platten dieses Bestandes bilden die Fassadebabwicklungen des Marktes von Marienburg (Malbork) ab, der in Folge des Zweiten Weltkrieges nahezu vollständig vernichtetet wurde. Katja Bernhardt analysiert in ihrem Beitrag zur Publikation, „Das Bild als Archiv. Die Medialisierung des Marktes von Marienburg (Westpreußen) - Analyse, methodischer Versuch und Einsichten“, die Zeit- und Objektebenen, die sich in den Negativen aufschichten, und setzt sie zu den jeweiligen zeitgenössischen Vorstellungen von Stadtraum und den Kommunikationsprozessen der Stadtplanung in Bezug.

13.08.2022

Vor 250 Jahren beschlossen Preußen, Österreich und Russland die Erste Teilung Polens

Beitrag von Agnieszka Pufelska in der Neuen Zürcher Zeitung

Anlässlich des Jahrestages der sogenannten Ersten Polnischen Teilung bespricht Agnieszka Pufelska in der Neuen Zürcher Zeitung die geopolitischen Konstellationen und das machtpolitische Kalkül, die dazu führten, dass das Königreich Polen-Litauen 1773 das Ansinnen Russlands, Österreichs und Preußens (Peterburger Vertrag, 1772) anerkennen und ein Drittel seines Gebietes an diese drei Mächte abtreten musste. In ihrem Artikel „«Schliesslich soll doch jeder etwas haben»: Vor 250 Jahren haben Europas Grossmächte die erste Teilung Polens beschlossen“ (NZZ, 6. August 2022) skizziert Pufelska ebenso die langfristigen Folgen des Ereignisses und deutet damit auf historische Hintergründe der aktuellen Ansprüche, die Russland auf Regionen in Ost- und Ostmitteleuropa erhebt.

12.08.2022

Zerstörung von Archiven und Museen im Krieg gegen die Ukraine

Informationen auf der Facebookseite des Nordost-Instituts

Seit Februar 2022 dauert der Krieg, den Russland der Ukraine aufgezwungen hat, an. Teil der Kriegsführung gegen das Land ist die gezielte Zerstörung historischer Denkmälern und der Kunstraub. Neben architektonischen und kunstgeschichtlichen Denkmälern und Museen sind hiervon Archive und die in ihnen aufbewahrten historischen Dokumente betroffen. Das Nordost-Institut sammelt unter der Überschrift „Zur Lage der ukrainischen Kultureinrichtungen und Archive“ kontinuierlich seit Beginn des Krieges auf seiner Facebookseite Informationen über diese Zerstörung von Kultureinrichtungen, Museen, Archiven und Archivgut in der Ukraine sowie über ukrainische und internationale Intitiativen und Maßnahmen zum Schutz und zur Dokumentation des bedrohten Kulturguts. Unser Anliegen ist es, diese Informationen über diesen Weg zügig zusammenzuführen und in der Fachcommunity und darüber hinaus zu verbreiten.

10.08.2022

Geschwisterbeziehungen im deutschbaltischen Adel

Neuer Band der Schriftenreihe des Nordost-Instituts, von Denise von Weymarn-Goldschmidt 

In der Reihe Veröffentlichungen des Nordost-Instituts ist der 28. Band erschienen. In ihrer Studie „Von Konkurrenten und Lieblingen. Geschwisterbeziehungen im deutschbaltischen Adel des 18. und 19. Jahrhunderts“ untersucht Denise von Weymarn-Goldschmidt auf Grundlage autobiografischer Schriften deutschbaltischer Adliger Beziehungen zwischen Geschwistern in ihren unterschiedlichen Konstellationen, beginnend mit Vollgeschwistern über Halbgeschwister und Stiefgeschwister bis hin zu illegitimen Kindern. Die Frage nach dem Unterschied zwischen nominellem und gelebtem Familienverständnis spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Relevanz und die generationellen Konsequenzen häufig großer Altersunterschiede zwischen den Geschwistern. Weitere Themenfelder, die Berücksichtigung finden, sind die Frage nach den Lieblingskindern, das Aufwachsen von Geschwistern in getrennten Haushalten, das gemeinsame Wohnen von erwachsenen Geschwistern und der Umgang mit dem Tod von Geschwistern. In der Summe der verschiedenen Perspektiven eröffnet die Arbeit ein neues Verständnis historischer Familienformen. Der Band kann über den Verlag Harrassowitz erworben werden.

18.07.2022

Die jüdische Autorin Lia Frank (1921-2012) und die Debatte um die russlanddeutsche Literatur

Neue Publikation in der Reihe Onlinepublikationen des Nordost-Instituts, von Annelore Engel-Braunschmidt

Die neue Veröffentlichung in der Reihe Online-Publikationen des Nordost-Instituts – die Studie „Qualität oder Nationalität? Lia Frank (1921–2012), der jüdischen Autorin unter den Russlanddeutschen, zum Gedächtnis“ von Annelore Engel-Braunschmidt – widmet sich dem problematischen Verhältnis der Jüdin Lia Frank zu den russlanddeutschen Schriftstellern und Schriftstellerinnen und Intellektuellen. Seit bei den Russland-Deutschen die beiden Worte, Russland und Deutsch, mehr und mehr auseinanderdriften, ändert sich auch das Verhältnis der heutigen ‚Schicksalsgemeinschaft‘ zur Vergangenheit. An Lia Frank, die von Duschanbe (Tadshikistan) aus in den russland- bzw. sowjetdeutschen Zeitungen publizierte, entzündete sich in den 1960er Jahren eine bis heute andauernde Diskussion um die Frage der literarischen Zugehörigkeit ihrer Texte. Die Schilderung beider Seiten trägt zum besseren Verständnis für das Problem „Juden unter Russlanddeutschen“ bei. Die Publikation kann kostenfrei heruntergeladen werden.

28.06.2022

Russland und Baltikum: "Immer wieder Einmischung"

David Feest über das Verhältnis Russlands zu den baltischen Staaten

Aus Anlass der Sperrung des Transitwegs von Russland in die russische Exklave Kaliningrader Bezirk, die die litauische Regierung für die von der Europäischen Union sanktionierten Güter veranlasst hat, sprach David Feest am 22. Juni 2022 in einem Radiointerview mit dem WDR. Das Gespräch thematisierte die Wahrnehmung der drei baltischen Staaten, Litauen, Lettland und Estland, in Russland sowie die besondere Situation, die durch die geografische Lage der russischen Exklave in der Region besteht. Russland habe in den letzten Jahren immer wieder angezweifelt, ob die Unabhängigkeit des Baltikums rechtens gewesen sei, so David Feest.

04.03.2022

Aussetzen der Arbeit der Deutsch-Russischen Historikerkommission

ERKLÄRUNG der deutschen Mitglieder der Kommission

Die Deutsch-Russische Geschichtskommission wurde vor 25 Jahren im Geist eines vereinten Europas geschaffen. Ziel der Kommission ist, den offenen Meinungsaustausch und das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Ländern zu fördern und sich auch schwierigen Themen der gemeinsamen Geschichte zu widmen. An diesem Ziel halten wir fest.

Seit 24. Februar 2022 führt die russische Regierung einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die souveräne Ukraine, der unsere Solidarität gilt. Dieser Angriff ist eine durch nichts zu rechtfertigende Aggression, die unschuldige Menschenleben und unbeschreibliches Leid fordert. Wir sind entsetzt über dieses Blutvergießen und fordern die russische Regierung auf, den Krieg unverzüglich zu beenden. In Anbetracht dieser unvorstellbaren Ereignisse setzen wir die gemeinsame Arbeit der Kommission aus.