Nordischer Ton
Klaviermusik aus Estland von der Spätromantik bis zur Gegenwart
Programm:
Rudolf Tobias (1873-1918): Sonatine op. 12 (1912)
Heino Eller (1887-1970): Die Glocken (1929); Ballade cis-moll (1955)
Jüri Reinvere (*1971): Nachtbild mit Zeppelinen (2024)
Eduard Tubin (1905-1982): Ballade auf ein Thema von Maart Saar (1945)
Ester Mägi (1922-2023): Alte Kantele (1961)
Erkki-Sven Tüür (*1959): 2. Sonate „Saltatio ad Lumen“ (2022)
Maart Saar (1882-1963): Auswahl aus 24 Preludes (1908)
Lepo Sumera (1950-2000): Pardon Fryderyk (1980); Klavierstück (1981)
Musik bestimmt die estnische Volksseele wie keine andere Kunstform. Die estnischen Lieder- und Tanzfeste - man denke auch an die „Singende Revolution“ - wurden 2003 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Die Entwicklung einer eigenständigen Komponistenschule setzt in Estland mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Als ihr Begründer gilt Heino Eller, der in Tallinn und Tartu mehrere Komponisten-Generationen prägte. Neben Arvo Pärt zählen Eduard Tubin, Lepo Sumera und Jaan Rääts zu seinen bedeutendsten Schülern. Als Väter der estnischen Kunstmusik sind weiter Rudolf Tobias, der seine letzten Jahre in Berlin verbrachte, und Maart Saar zu nennen. Ester Mägi war die wohl bedeutendste Komponistin Estlands im 20. Jahrhundert.
Kadri-Ann Sumera, die ihr Studium an der Estnischen Musikakademie begann und an der Musikhochschule Köln abschloss, ist eine der gefragtesten Pianistinnen Estlands. Ihr Repertoire reicht vom Barock bis zu zeitgenössischer Musik. Sie hat mehrere ihr gewidmete Kompositionen uraufgeführt und Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts (Messiaen, Cage, Stockhausen) in ihrem Land zur Erstaufführung gebracht. 2000/2001 war sie DAAD-Stipendiatin in Deutschland. 2004/5 nahm sie an der Internationalen Akademie des Ensemble Modern in Frankfurt teil. Als Solistin hat sie u.a. mit Orchestern wie dem Estnischen Staatlichen Symphonieorchester (Leitung Arvo Volmer) oder der Dresden Sinfonietta (Milko Kersten) gespielt. Im Jahr 2015-16 wirkte sie an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt.
Nachdrücklich setzt sie sich für die Musik ihres Vaters, Lepo Sumera, ein. Die Künstlerin hat zahlreiche Aufnahmen für den Estnischen Rundfunk gemacht und ist Gründerin des Ensemble Neue Musik Tartu.
Das Konzert ist Teil der Reihe "Catoire Piano Recitals" und des Kooperationsprojekt mit dem IKGN "Baltische Musik im Kontext".
Catoire Musikinitiative in Kooperation mit dem Nordost-Institut (IKGN e.V.) und der Deutsch-Estnischen Gesellschaft
