Vor 85 Jahren:
Deportation der Deutschen in der Sowjetunion 1941
Am 28. August 1941, zwei Monate nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, erließ das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR die Deportation der Wolgadeutschen. Ihre Autonome Sowjetrepublik wurde aufgelöst, die deutsche Bevölkerung nach Kasachstan und Sibirien verschleppt. Auch Deutsche aus anderen Regionen der Sowjetunion waren von Deportationen, Zwangsarbeit und jahrzehntelanger Entrechtung betroffen. Familien und Dorfgemeinschaften wurden auseinandergerissen; viele Menschen starben während des Transports oder in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft.
Anlässlich des 85. Jahrestages bringt die wissenschaftliche Konferenz, die vom 18. bis 20. September in der Stresemannstraße 90, 10963 Berlin stattfinden wird, internationale Expertinnen und Experten zusammen, um die Deportationen von 1941 in ihren historischen Zusammenhängen zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen die stalinistische Nationalitätenpolitik, die Vorgeschichte und Entscheidungsprozesse der Deportationen sowie der deutsch-sowjetische Krieg und die nationalsozialistische Besatzungspolitik.
Weitere Beiträge widmen sich den Erfahrungen in der sogenannten Arbeitsarmee und den Sondersiedlungen, religiösen Überlebensstrategien, der Evakuierung und „Repatriierung“ der Schwarzmeerdeutschen sowie den langfristigen Folgen der Deportation. Dazu gehören die Autonomie- und Ausreisebewegung, Brüche in Sprachbiografien, die Aufnahme von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern in Deutschland sowie die wissenschaftliche, museale und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Ereignissen.
Am Freitagabend ergänzt die Gedenk- und Diskussionsveranstaltung „Deportation und Erinnerung. 85. Jahrestag der Zwangsumsiedlung der Russlanddeutschen 1941“ das Konferenzprogramm. Die Keynote hält Prof. Dr. Irina Scherbakowa von Memorial International. Den Abschluss der Konferenz bildet eine Podiumsdiskussion über die Deportation als zentrales Trauma und identitätsstiftendes Element der Deutschen in und aus Osteuropa, Sibirien, Zentralasien und dem Kaukasus.
Das ausführliche Programm der Konferenz finden Sie hier.
Die wissenschaftliche Konferenz wird veranstaltet von der Wissenschaftlichen Kommission für die Deutschen in und aus Osteuropa, Sibirien, Zentralasien und Kaukasien (WKDO)
in Kooperation mit dem Nordost-Institut (IKGN e.V.) in Lüneburg, Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte und Kulturreferat für Russlanddeutsche in Detmold und dem Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin.
Die Konferenz steht unter der Schirmherrschaft des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und wird von ihm finanziell unterstützt.
Die Gedenk- und Diskussionsveranstaltung am Freitagabend wird vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, dem Kulturreferat für Russlanddeutsche und dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung veranstaltet.