Im Sog des Krieges. Einstellungen zu Militarisierung und Bedrohung im östlichen Europa
An den östlichen Grenzen Europas machen die Menschen bereits seit mehreren Jahren traumatische Erfahrungen mit kriegerischen Auseinandersetzungen – von schwelenden Grenzkonflikten bis hin zur militärischen Invasion. Mittlerweile sind Berichte und Bilder von Krieg und Militarisierung allgegenwärtig. Die Gegenwart mit ihren neuen Bildern und Grenzerfahrungen überwältigt und verdrängt dabei die Frage nach dem mentalen und kulturellen Leben der Menschen. Wie denken die Menschen, die unmittelbar von Krieg und Militarisierung betroffen sind? Wie haben sich ihre Einstellungen und Mentalitäten in den letzten Jahren verändert?
In der Ringvorlesung, die vom 4. November 2026 bis 20. Januar 2027 an der Universität Hamburg stattfindet, werden Prozesse untersucht, die in Gang gesetzt werden, wenn Kriegslogiken allgegenwärtig werden und den Alltag beherrschen. Im Zentrum der interdisziplinären Beiträge stehen politische und kulturelle Praktiken und Ausdrucksformen sowie gesellschaftliche Positionen, die als Reaktion auf Krieg und Militarisierung entstehen. Die Vorträge beleuchten unter anderem die Problematik der russischsprachigen Minderheiten im Baltikum, dokumentarische Formen der Kriegsdarstellung in der Ukraine, die Symbolik des Militärs und die veränderten politischen Einstellungen der Menschen in Georgien. Auch die gesellschaftlichen Folgen von Krieg, etwa Traumatisierung, sowie Friedensvorstellungen sind Themen der Ringvorlesung.
Organisation:
Prof. Dr. Anja Tippner (UHH), Prof. Dr. Monica Rüthers (UHH), Prof. Dr. Jörn Happel (HSU), Prof. Dr. Kirsten Bönker (Nordost-Institut / IKGN e.V.), Dr. Regina Heller (IFSH), Dr. Marina Gerber (UHH)
Die Ringvorlesung „Im Sog des Krieges. Einstellungen zu Militarisierung und Bedrohung im östlichen Europa" findet mittwochs von 16:15 bis 17:45 Uhr in ESA Ost 221 statt.
4. November 2026
Prof. Dr. Vello Pettai
Institut für Frisistik, Universität Flensburg
Russian-speaking Minorities in the Baltic States: Securitization and Strain amid Geopolitical Turmoil
Moderation: Prof. Dr. Kirsten Bönker, Direktorin des Nordost-Instituts (IKGN e.V.)
11. November 2026
Prof. Dr. Anja Tippner und Lydia Nagel
Slavistik/Osteuropastudien, Universität Hamburg / Rostock
Kein Kirschgarten. Wahrnehmungen des Krieges im ukrainischen Dokumentartheater
25. November 2026
Prof. Dr. Monica Rüthers
Europäische Geschichte/Osteuropastudien, Universität Hamburg
Moskau, Sitz des Kriegsherrn: von der Global City zur Hauptstadt des Autoritarismus
2. Dezember 2026
Dr. Regina Heller und Dr. Christian Fröhlich
Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik/Osteuropastudien, Universität Hamburg
Räume des Friedens. Friedensideen in der russ. und ukrainischen Diaspora in Deutschland und ihr Potenzial für die Konflikttransformation
9. Dezember 2026
David Jishkariani
Max-Weber-Stiftung, Georgien
Between Mustaches and Sovereignty: Carrot and Stick in Russian–Georgian Relations
Moderation: Prof. Dr. Jörn Happel
16. Dezember 2026
PD Dr. Fredrik Stöcker
Nordost-Institut (IKGN e. V.)
Nordisch-baltische Perspektiven und Reaktionen auf die russische Aggression gegen die Ukraine (nach 2014)
13. Januar 2027
Dr. Svetlana Erpyleva
Universität Bremen
Political Judgements without Political Opinions: How Russians Talk About the Russo-Ukrainian War
20. Januar 2027 – via Zoom
Jurko Prochasko
Autor und Psychoanalytiker, Lwiw
Traumatisierung der Gesellschaft durch Krieg
Die Ringvorlesung wird organisiert von Prof. Dr. Anja Tippner (UHH), Prof. Dr. Monica Rüthers (UHH), Prof. Dr. Jörn Happen (HSU), Prof. Dr. Kirsten Bönker (Nordost-Institut/IKGN e.V.), Dr. Regina Heller (IFSH), Dr. Marina Gerber (UHH). Gefördert wird die Ringvorlesung vom Nordost-Institut in Lüneburg.