85 Jahre Deportation der Deutschen in der Sowjetunion
Vor 85 Jahren markierte ein folgenschwerer Erlass vom 28. August 1941 einen dramatischen Wendepunkt im Leben hunderttausender Menschen: Mit der Zwangsumsiedlung der Deutschen aus den Wolgaregionen begann eine Geschichte von Verlust, Leid und jahrzehntelangem Schweigen. Über 900.000 Menschen wurden innerhalb kürzester Zeit deportiert, entrechtet und zur Zwangsarbeit in entlegenen Regionen wie Sibirien, den Ural und Nordkasachstan gezwungen.
Die Erfahrung von Ausgrenzung, Kälte, Hunger und Lagerhaft wirkte weit über das Kriegsende hinaus – und prägt bis heute die Erinnerungskultur und Identität der Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion.
Das Nordost-Institut nimmt den 85. Jahrestag zum Anlass, diese Geschichte neu zu beleuchten: differenziert, wissenschaftlich fundiert und zugleich zugänglich. In der sechsteiligen Vortragsreihe "Erinnern. Verstehen. Weitergeben. 85 Jahre Deportation der Deutschen in der Sowjetunion" geben ausgewiesene Expertinnen und Experten Einblicke in die Hintergründe, Verläufe und Nachwirkungen der Deportationen – von den frühen 1930er Jahren bis in die Phase der gesellschaftlichen „Normalisierung“ in den 1960er Jahren.
Dabei werden auch bislang weniger beleuchtete Perspektiven einbezogen: aktuelle Forschungen zu den Ukrainedeutschen im Zweiten Weltkrieg, internationale Dimensionen der Verfolgung sowie deren eindrucksvolle Verarbeitung in der Literatur.
Seien Sie dabei – vor Ort oder online.
Alle Vorträge finden im Präsenzformat statt und werden gleichzeitig live gestreamt. Im Anschluss stehen sie auf der Website des Instituts zur Verfügung.
Die Veranstaltungen finden im Lesesaal des Nordost-Instituts (Lindenstr. 31, 21335 Hamburg) statt.
Dienstag, 15. September 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Victor Dönninghaus
Nordost-Institut (IKGN e. V.), Lüneburg
„Territorium der Loyalität“: die Deportationen der Russlanddeutschen und anderer nationaler Minderheiten in den 1930er Jahren
Dienstag, 29. September 2026, 18:00 Uhr
Dr. Dmytro Myeshkov
Nordost-Institut (IKGN e. V.), Lüneburg
Die Ukrainedeutschen zwischen Widerstand und Kollaboration. Die Geschichte der Besatzung 1941-1944 erzählt anhand von zwei Biografien
Dienstag, 13. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Prof. em. Dr. Annelore Engel-Braunschmidt
Hamburg / Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Russlanddeutsche Literatur in den Jahren 1930-1960: Aufstieg, Niedergang, Wiederbelebung
Dienstag, 20. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Prof. em. Dr. Eva-Maria Auch
Humboldt-Universität zu Berlin
Die Deportation der Kaukasusddeutschen im Oktober 1941 als Höhepunkt antideutscher Operation in Georgien und Aserbaidschan
Dienstag, 27. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Olga Litzenberger
Bayerisches Kulturzentrum der Deutschen aus Russland, Nürnberg
Die Rolle der Religion für die Russlanddeutschen nach der Deportation: Zeitzeugen-Interviews, soziologische und historische Analysen
Dienstag, 3. November 2026, 18:00 Uhr
Phillip Dreiling
Universität zu Köln
Wolga oder Elbe? Russlanddeutsche zwischen Autonomietraum und Ausreise in die BRD 1988-1994
Die Vortragsreihe ist eine Veranstaltung des Nordost-Instituts, Lüneburg (IKGN e. V.).
Kontakt: veranstaltung@ikgn.de
