Der lange Schatten der "Ostforschung":
Kontinuitäten, Brüche, Perspektiven
Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens veranstaltet das Nordost-Institut am 8. Oktober 2026 einen wissenschaftlichen Workshop zur Geschichte und Wirkung der deutschen „Ostforschung“.
Die „Ostforschung“ prägte über Jahrzehnte hinweg den wissenschaftlichen und öffentlichen Blick auf Ostmittel- und Osteuropa. Ihre Forschung war eng mit politischen Interessen, nationalen Deutungsmustern und während des Nationalsozialismus auch mit dessen Herrschafts- und Besatzungspolitik verbunden. Viele ihrer personellen, institutionellen und inhaltlichen Strukturen wirkten nach 1945 weiter.
Der Workshop untersucht diese Kontinuitäten und Brüche anhand ausgewählter Biografien, wissenschaftlicher Netzwerke und Forschungseinrichtungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Wissen über das östliche Europa erzeugt, politisch genutzt und über historische Umbrüche hinweg weitergegeben wurde.
Zugleich richtet sich der Blick auf die heutige Osteuropaforschung. Der Workshop trägt dazu bei, ihre wissenschaftlichen Traditionen kritisch einzuordnen und bislang wenig untersuchte Verbindungen zwischen Forschung und Erinnerungskultur sichtbar zu machen.
09:00–09:10 Uhr
Begrüßung und Einführung
Kirsten Bönker
Einführung in das Thema und Vorstellung des Workshop-Konzepts
09:10–10:50 Uhr
Panel 1: Akteure und Biographien – Kontinuitäten und Brüche
Moderation: Katrin Steffen
Schwerpunkt: Individuelle Karrieren sowie moralische und wissenschaftliche Transformationen
Matthias Barelkowski
Hanns von Krannhals zwischen „Ostforschung“, Nationalsozialismus und Nachkriegskarriere
Impulsreferat, 20 Minuten
Paul Schröck
Klaus Mehnert und die politische Osteuropaexpertise im 20. Jahrhundert
Impulsreferat, 20 Minuten
09:50–10:00 Uhr
Kurze Kaffeepause
Laurens Schlicht
Georg Weippert und die personellen Kontinuitäten der deutschen „Ostforschung“
Impulsreferat, 20 Minuten
Anke Hilbrenner
Andreas Hillgruber und die „Ostforschung“ in der Bundesrepublik
Impulsreferat, 20 Minuten
Anschließende Diskussion, 20 Minuten
Leitfrage: Wie gingen zentrale Akteure der „Ostforschung“ mit ihrer NS-Vergangenheit um, und welche personellen Kontinuitäten prägten die frühe Bundesrepublik?
10:50–11:05 Uhr
Kaffeepause
11:05–12:25 Uhr
Panel 2: Institutionen und Netzwerke
Moderation: Anja Wilhelmi
Schwerpunkt: Strukturelle Transformationen und das Fortbestehen institutioneller Macht
Stefan Lehr
Preußische Archivare als Akteure der historischen „Ostforschung“
Impulsreferat, 20 Minuten
Antje Johanning
Ein Riss durch die Ostforschung? Das Herder-Institut unter der Leitung Richard Breyers (1965–1972)
Impulsreferat, 20 Minuten
Hans-Jürgen Bömelburg
Universitäre Ostmitteleuropaforschung nach 1945: Netzwerke, Institutionen und Deutungsmuster
Impulsreferat, 20 Minuten
Anschließende Diskussion, 20 Minuten
Leitfrage: Inwiefern wandelten sich die institutionellen Rahmenbedingungen, und welche Netzwerke und Machtstrukturen blieben bestehen?
12:25–13:10 Uhr
Mittagspause
13:10–14:30 Uhr
Panel 3: Wissensproduktion und Herrschaft
Moderation: Agnieszka Pufelska
Schwerpunkt: „Ostforschung“ als epistemisches und politisches Instrument
Mathias Beer
Eine verhinderte Dissertation: Wissenschaftspolitik und Deutungshoheit in der Nachkriegszeit
Impulsreferat, 20 Minuten
Filip Schuffert
Die sächsisch-polnische Union als Forschungsfeld zwischen Geschichtspolitik und „Ostforschung“
Impulsreferat, 20 Minuten
Sebastian Rimestad
Ostkirchenkunde zwischen Wissenschaft, Konfessionspolitik und geopolitischer Ordnung
Impulsreferat, 20 Minuten
Anschließend Diskussion, 20 Minuten
Leitfrage: Wie wurde Wissen über „den Osten“ zur Legitimation politischer Ordnungen und kultureller Hierarchien eingesetzt?
14:30–14:50 Uhr
Kaffeepause
14:50–16:00 Uhr
Abschlussdiskussion: Was bleibt von der „Ostforschung“?
Perspektiven für IKGN und IKGS
Moderation: Kirsten Bönker
Tobias Weger
Das Südostdeutsche Kulturwerk und das Erbe der „Ostforschung“
Impuls, 10 Minuten
Florian Coppenrath
Das Nordostdeutsche Kulturwerk zwischen Erinnerungspolitik und wissenschaftlicher Neuorientierung
Impuls, 10 Minuten
Anschließend gemeinsame Diskussion, 40 Minuten
Die Veranstaltung wird organisiert vom Nordost-Institut.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Agnieszka Pufelska (a.pufelska@ikgn.de).