

Ende der 1960er öffnete die Sowjetunion ihre Grenzen für Touristen aus dem westlichen Ausland. Neben den Devisen, die der Tourismus ins Land bringen sollte, hoffte die Sowjetunion, den Besuchern aus dem Westen sozialistische Werte zu vermitteln. Hierfür wurden entsprechende Reiseprogramme zusammengestellt und es wurden Reiseleiter:innen geschult. Sie sollten sicherstellen, dass die Begegnung mit Land und Leuten tatsächlich ‚nach Plan‘ verlief. David Feest bietet in seiner Studie „Propaganda durch Information. Begegnungen mit und ohne Plan in Berichten sowjetestnischer Reiseleiter:innen“ einen Einblick in die monatlichen Dossiers der Verwaltung für Auslandstourismus beim Ministerrat der Estnischen Sowjetrepublik. Darin zeichnen sich drei Gruppen von Touristen ab. So gab es politisch Motivierte, die dem Sozialismus zugetan waren, Andere waren neugierig auf Unbekanntes. Besonders zahlreich waren jedoch jene, die eine familiäre Bindung an das Land hatten, die alte Heimat bereisen und Verwandte oder Freunde besuchen wollten. Vor allem aber, so Feest, berichten die Dossiers von ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen. Während sich deutsche Touristen, zumeist mit deutschbaltischem Hintergrund, konform verhielten, entzogen sich etwa die Teilnehmer:innen des amerikanischen Citizen Exchange Corps, wo es nur möglich war, dem offiziell vorgegebenen Rahmen.
Die Studie ist Teil unseres gemeinsamen Forschungsprojekt „Begegnungen nach Plan“, dessen Ergebnisse wir auf unserer Homepage im Open Access präsentieren. Warum Polen ab den 1970ern deutschsprachige Reiseführer herausgab, oder wie eine Reise ins Baltikum aus Sicht eines niedersächsischen Touristen verlief und was der Geheimdienst mit den Reisen zu tun hatte, erfahren Sie dort in weiteren Studien.